Die Steuerlast der russischen Wirtschaft belief sich im vergangenen Jahr auf 11,92% des Umsatzes, berichtet die Steuerbehörde FNS. Gegenüber dem Vorjahr 2024 bedeutete das einen Anstieg um 0,3 Prozentpunkte, trotz der Anfang 2025 in Kraft getretenen Steuerreform. Sie beinhaltete eine Anhebung der Körperschaftsteuer von 20% auf 25%, eine neue progressive Einkommensteuer und insgesamt höhere Akzisen und Rohstoffsteuern.
Die Angaben stammen aus dem aktuellen Jahresbericht von FNS zur Steuerlast in 12 Sektoren der russischen Wirtschaft und rund 40 Einzelbranchen. Die Behörde veröffentlicht die Daten jedes Jahr als Orientierungshilfe für Unternehmen. Wenn die eigene Steuerlast deutlich unter dem angegebenen Branchendurchschnitt liegt, erhöht das die Wahrscheinlichkeit von Kontrollen durch die Steuerbehörden, so die Erklärung.
Neben der Steuerlast enthalten die Berichte auch Angaben zur Höhe der Sozialabgaben. Sie beliefen sich 2025 in der gesamten Wirtschaft auf 3,86% der Umsätze. Das war der höchste Wert seit mindestens 2017, als FNS die Sozialabgaben in seine Statistik aufnahm. 2024 waren es 3,43%.
Steuer-Spitzenreiter Öl und Gas, Schlusslicht Großhandel
Der Wirtschaftsbereich mit der höchsten Steuerlast ist in Russland die Rohstoffbranche, speziell die Förderung der Brennstoffe Öl, Gas und Kohle. Ihre Steuerlast belief sich 2025 auf 51,75%. Es folgten Immobilien mit 23,22% und die Lebensmittelindustrie mit 17,95%. Die Branchen am unteren Ende der Steuerlast-Rangliste trugen in den vergangenen Jahren meist eine Steuerlast zwischen rund 1% und 3%. Dort finden sich in der Regel steuerlich subventionierte Branchen wie die Luftfahrt oder staatlich regulierte Bereiche wie die Gasversorgung. Andere Branchen wie die Chemie zahlen in vielen Jahren kaum Steuern, weil sie Investitionen abschreiben können. Ein weiterer Grund für eine niedrige Steuerlast ist der Vorsteuerabzug bei Exporten, von dem etwa die Holzverarbeitung profitiert. 2025 wies der Großhandel ohne Fahrzeuge mit 2,56% die geringste Steuerlast auf. Er war schon 2024 mit 2,59% das Schlusslicht. Bei solchen besonders umsatzstarken Wirtschaftsbereichen weist die FNS-Statistik niedrige Werte aus, weil sie die gezahlten Steuern mit den Umsätzen und nicht etwa den Gewinnen ins Verhältnis setzt.
Die Öl- und Gasbranche wies 2025 somit eine um den Faktor 20,2 höhere Steuerlast als das Schlusslicht, der Großhandel, auf. 2024 betrug der Faktor sogar 21,9. Die Schere hat sich somit etwas geschlossen. Zum Vergleich: 2021 lag der Wert bei 23,7. Damals lag die Steuerlast der Öl- und Gasbranche bei 50,19%, die geringste Last trug der Großhandel ohne Fahrzeuge mit 2,12%, bei einer Gesamtbelastung der Wirtschaft von 10,38%.
Im Jahr 2023 war die Steuerlast mit 11,96% sogar leicht höher als 2025, wozu damals erhobene Einmalabgaben wie die Übergewinnsteuer beitrugen. Dass der Anstieg gegenüber 2024 im vergangenen Jahr nur 0,3 Prozentpunkte betrug, verdankt sich dem Rückgang der Steuerlast für die Öl-, Gas- und Kohleförderung um 4,9 Prozentpunkte gegenüber 2024, als die Quote noch bei 56,64% lag. Die Höhe der Öl- und Gassteuern orientiert sich am Ölpreis, der 2025 deutlich niedriger war als 2024.
Ohne Rohstoffe: Steuerlast steigt um rund 1 Prozentpunkt
Rechnet man die Öl- und Gasbranche heraus, stieg die Steuerlast der übrigen Wirtschaftsbereiche im vergangenen Jahr um durchschnittlich knapp 1,1 Prozentpunkte. Am stärksten betroffen war die Immobilienbranche, deren Steuerlast um 2,6 Prozentpunkte auf 23,22% stieg. Branchenvertreter erklären die Entwicklung u. a. damit, dass die Katasterwerte für einige Objekte angehoben wurden. Der Bereich „Administrative und zusätzliche Dienstleistungen“ wies eine Steigerung um 2,2 Prozentpunkte auf 16,86% auf. Zu ihm gehören laut der zugrundeliegenden Standardklassifikation OKWED-2 etwa Autovermietung, Personalmanagement und Touristik. Diese Dienstleistungen wiesen die vierthöchste Steuerlast auf, hinter Rohstoffen, Immobilien und der Lebensmittelindustrie, die auf 17,95% kam, 0,6 Prozentpunkte mehr als 2024. An fünfter Stelle lagen Post- und Kurierdienste mit 15,89% (+0,1). Experten zufolge werden außer den Rohstoffen vor allem Wirtschaftsbereiche mit transparenten Geldflüssen hoch besteuert, also etwa Immobilien und Dienstleistungen.
Im laufenden Jahr dürfte die Steuerlast der Unternehmen weiter steigen, meint die unabhängige Steuerberaterin Alla Miljutina. Als Gründe dafür nennt sie u. a. die Anhebung der Mehrwertsteuer zu Jahresbeginn von 20% auf 22% sowie die Abschaffung von reduzierten Sozialabgaben für die meisten Branchen. Als weitere Faktoren führt sie die Anhebung des Mindestlohns sowie eine Verschärfung der Steueraufsicht durch neue Kontrollbefugnisse für die Steuerbehörde FNS an. Einige Branchen wie der Autoservice, die Beauty-Industrie und der Einzelhandel könnten daher in die Grauzone abwandern, prognostiziert die Expertin. Allerdings dürfte dies ihrer Einschätzung nach nur eine vorübergehende Lösung sein, da die Steuerprüfer über leistungsfähige automatische Kontrollinstrumente verfügen, erklärt die Expertin.
Quellen: FNS, RBC, Kommersant (alle RU)
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