Mittelstandskonferenz – neuer Rekord, neue Leitlinien

Die Branchenkonferenz Mittelstand der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer am 12. Februar 2026 verzeichnete mit mehr als 130 Teilnehmern und 17 Referenten einen Besucherrekord. Unter den Gästen waren 45 CEOs und Topmanager der in Russland vertretenen Firmen sowie sechs Repräsentanten von Ministerien und staatlichen Behörden, darunter ein stellvertretender Minister.
 
Im Dialog mit Vertretern des russischen Wirtschaftsministeriums, der Zentralbank, der russischen KMU-Korporation, der Moskauer Stadtregierung sowie anderer Regionalverwaltungen wurden aktuelle Herausforderungen und Perspektiven des Mittelstands erörtert. Neue Formate – darunter ein Business-Stand-up und eine interaktive Session mit digitalen Abstimmungstools – sorgten dabei für einen lebendigen und praxisnahen Dialog.
 
Die stellvertretende Wirtschaftsministerin Tatjana Iljuschikowa, die im vergangenen Jahr an der Mittelstandskonferenz der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer teilgenommen hatte, ging in einem Interview mit der Regierungszeitung „Rossijskaja Gaseta“ vom 17. Februar auf die Lage mittelständischer Unternehmen ein. Ihre Kernaussagen haben wir für Sie zusammengefasst:
 
🔹„Heute sind 36% aller Beschäftigten in Russland im Mittelstand tätig – das sind rund 29 Mio. Menschen.“

🔹„Der Schwerpunkt der staatlichen Unterstützung verlagert sich auf Qualität und strukturelle Veränderungen. Wir müssen Unternehmen zu komplexeren, produktiveren Tätigkeitsfeldern anregen. […] Unsere aktuellen Förderprioritäten sind IT, Tourismus, kreative Industrien, die reale Produktion und Hochtechnologieunternehmen. Das ist das, was wir eine ‚Angebotsökonomie‘ nennen.“

🔹„Im KMU-Sektor findet eine strukturelle Transformation statt. Der Sinn der Veränderungen besteht darin, dass die Steuerbelastung letztlich an die realen wirtschaftlichen Ergebnisse (eines Unternehmens – d. Red.) gekoppelt wird. […] Das ist eine Frage des Wettbewerbs innerhalb des unternehmerischen Umfelds.“

🔹„Wir haben in den ‚Moj Bisnes‘-Zentren (dt. Mein Geschäft) gezielt ein Beratungsangebot zu den steuerlichen Änderungen eingeführt, einschließlich einer teilweisen Erstattung der Buchführungskosten. Außerdem darf man nicht vergessen, dass weiterhin das Auto-USN gilt – das automatisierte vereinfachte Steuersystem, bei dem die Buchhaltung vollständig von der Bank übernommen wird.“

🔹„Außerdem haben wir die vergünstigte Kreditvergabe für Betriebsmittel verdoppelt. Die Zinssätze in unseren Programmen sind 3,5 Prozentpunkte niedriger als der Zentralbank-Leitzins, wenn der Kredit von Banken gewährt wird. Über staatliche Mikrofinanzorganisationen werden Kredite mit einem jährlichen Zinssatz von 2% bis 3% gewährt. Das liegt unter den marktüblichen Zinssätzen.“

🔹„Auf Anweisung des russischen Wirtschaftsministers Maxim Reschetnikow wurde beim Wirtschaftsministerium eine Arbeitsgruppe eingerichtet, in der das Ministerium als Vermittler zwischen Großunternehmen und KMU auftritt. Die KMU-Korporation wird zur Anlaufstelle für Beschwerden von Unternehmern. Die Arbeitsgruppe unter Beteiligung von Wirtschaftsverbänden wie Opora Rossii oder RSPP, der Föderalen Antimonopolbehörde und Branchenministerien wird diese Fragen prüfen. Allein die Tatsache, dass ein Großunternehmen zur Rede gestellt wird, wirkt disziplinierend.“ 
 
Das vollständige Interview auf Russisch lesen Sie hier.
 
Die Präsentation des Keynote-Redners von der Bank St. Petersburg zur Lage der mittelständischen Firmen, der wirtschaftlichen Dynamik in Russland und der Entwicklung des Geschäftsklimas in Russland finden Sie hier in russischer und deutscher Sprache.

26.02.2026

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