Schepp-Interview im RSPP-Magazin

Der russische Unternehmerverband (RSPP), zusammen mit der russischen Industrie- und Handelskammer (TPP) seit Jahren ein enger Partner der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer, befasst sich in der aktuellen Ausgabe seiner Verbandszeitschrift „Business Rossiji“ mit der Rolle ausländischer Wirtschaftsverbände in Russland. Dies war auch der Schwerpunkt der letzten Ausgabe des Kammer-Wirtschaftsmagazins Impuls. Das Impuls-Interview mit Frank Schauff, dem ehemaligen Geschäftsführer der Association of European Businesses (AEB), zur Rolle der Wirtschaftsverbände können Sie hier lesen.

Das RSPP-Magazin hat drei Verbandschefs zu Wort kommen lassen: Matthias Schepp von der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (Interview auf Deutsch und Russisch), Robert Agee von der amerikanischen AmCham und Tadzio Schilling von der AEB sprechen über die drängendsten Probleme – aber auch die Chancen – für internationale Unternehmen im Land.

Für Matthias Schepp ist klar: Die vergangenen Jahre haben den Verband gefordert – und zugleich gestärkt. Die Kammer habe die harten Einschnitte nach dem Beginn des Ukraine-Konflikts genutzt, um sich neu aufzustellen – und wachse heute sogar. „Wir sind näher an unsere Firmen gerückt und haben unser Tempo und unsere Anstrengungen verdoppelt. Weniger Bürokratie, weniger Sitzungen, schnellere Entscheidungen, härtere Arbeit“, so der Kammer-Chef. Die entschiedenen Maßnahmen, die die Kammer nach dem Beginn der Krise ergreifen musste, seien die „richtige Kur“ gewesen. „Nun wachsen wir wieder, die Nachfrage nach uns nimmt zu“, so Schepp. Das spiegelt sich auch in Zahlen wider: In einer Zufriedenheitsumfrage Ende 2025 bewerteten 98 Prozent der befragten Unternehmen die Arbeit der Kammer als gut oder sehr gut.

„Unsere Mission ist der Schutz der legitimen Interessen unserer Mitglieder. Wir denken, dass dies ein Beitrag zu einem Friedensprozess ist, wann immer auch dieser beginnt“, betont Schepp weiter. Der Kammer-Chef verwies unter Berufung auf vier renommierte deutschsprachige Wirtschaftsinstitute darauf, dass lediglich 11 Prozent der deutschen Unternehmen Russland nach Februar 2022 verlassen hätten. Im Gespräch bemängelte Matthias Schepp auch anhaltende Störungen beim Zahlungsverkehr im Russlandgeschäft, von denen selbst Unternehmen in humanitären Bereichen wie Pharma oder Lebensmittelversorgung betroffen seien und die sie zwingen, nach alternativen Zahlungswegen zu suchen. Firmen, die davon betroffen sind, finden Unterstützung bei der Kammer. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an Olaf Letzel, Leiter Mitglieder und Marktanalysen: letzel@kammer.ru.

Ähnliche Zahlen nennt Robert Agee, Präsident der Amerikanischen Handelskammer (AmCham) in Russland: Auch von den US-Unternehmen hätten lediglich rund 12 Prozent das Land verlassen – entweder weil ihnen die Tätigkeit direkt untersagt wurde oder weil Sanktionen die Lieferung von Ersatzteilen und Ausrüstung blockierten. Betroffen waren vor allem High-Tech-Firmen sowie Unternehmen aus der Öl- und Energiebranche. Die Firmen, die dagegen in Russland geblieben sind, geraten von zwei Seiten unter Druck – sie müssen gleichzeitig westliche Sanktionen und russische Gegenmaßnahmen einhalten, so Robert Agee. In ihrer Tätigkeit verfolge AmCham einen Win-Win-Ansatz, von dem sowohl Unternehmen als auch der russische Staat profitieren sollen – verbunden mit dem Ziel, den Protektionismus in Russland zu verringern. Langfristig setzt die AmCham auf eine mögliche Rückkehr jener Firmen, die Russland bereits vor 2022 als strategischen Markt betrachteten – hauptsächlich aus den Bereichen Hightech, Energie und Luftfahrt.

Laut Tadzio Schilling, Geschäftsführer der AEB in Russland, liegen die Erwartungen europäischer Unternehmen zum zweiten Jahr in Folge „im positiven Bereich“ – ein Trend, der sich auch bei den steigenden Umsätzen niederschlage. Die im Land tätigen Firmen hätten eine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit bewiesen: Sie stellten Lieferketten neu auf und hielten den Betrieb trotz aller Einschränkungen aufrecht. Die von der AEB befragten Unternehmen attestierten laut Tadzio Schilling dem russischen Markt ein hohes Potenzial – sowohl was sein Volumen als auch was seine weitere Entwicklung betreffe. Die AEB selbst verstehe sich dabei als zentrale Anlaufstelle, die Unternehmen nicht nur bei der Anpassung an neue Rahmenbedingungen unterstützt, sondern auch dabei hilft, neue Wachstumschancen auf dem russischen Markt zu erschließen.

26.03.2026

War dieser Beitrag für Sie hilfreich?

Bewerten Sie diesen Beitrag von 1 bis 5, wobei 5 "sehr gut" bedeutet.

Vorheriger Beitrag

Mittelstandskonferenz – neuer Rekord, neue Leitlinien

Nächster Beitrag

Neues Kammer-Büro in St. Petersburg

Unser Telegram-Kanal

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit unserem Telegram-Kanal

Возврат к списку