Der Angriff der USA und Israels Ende Februar begann als militärische Operation und wurde innerhalb weniger Tage zur Energiekrise. Die US-amerikanische Beratungsfirma Rapidan Energy Group, eine auf Energiepolitik spezialisierte Washingtoner Denkfabrik, bezeichnete das Ereignis der vergnagenen Woche als die größte Störung der weltweiten Ölversorgung in der Geschichte.
20% Ölausfall – Die Meerenge, von der alles abhängt
Die britische Wirtschaftszeitung Financial Times berichtete, rund 20% der weltweiten Öllieferungen seien derzeit von der Schließung der Straße von Hormus betroffen. Durch die Meerenge passieren in Friedenszeiten mehr als 20% des globalen Öls. Angrenzend an die Meerenge befinden sich nicht nur der Iran, sondern auch Bahrain, Irak, Katar, Kuwait, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Länder der Asien-Pazifik-Region sind am stärksten betroffen: 46% ihrer Ölimporte stammen aus dem Persischen Golf.
Die Auswirkungen auf die Finanzmärkte waren unmittelbar und massiv. Der Preis für Rohöl der Sorte Brent – die für Europa maßgebliche Benchmark – stieg von rund 60,3 Euro pro Barrel vor Kriegsbeginn auf zwischenzeitlich mehr als 90 Euro. Am Mittwoch, 11. März bei Redaktionsschluss liegt der Preis für die Nordseesorte Brent bei rund 79 Euro – 91 Dollar.
Analysten von JPMorgan ,der größten US-Investmentbank, schätzten die potenziellen globalen Angebotsverluste bis zur dritten Woche der Krise auf 4,7 Mio. Barrel pro Tag – 5% der globalen Nachfrage. Saudi-Arabien, das größte Förderland der Region, musste laut Analyseberichten seine Exportkapazität aus dem Persischen Golf auf 2,5 Mio. Barrel pro Tag drosseln.
In Tokio stürzte der Nikkei-Index zeitweise um 7% ab. Auch die südkoreanische Börse verzeichnete hohe Verluste. Der Dax büßte seit Beginn der Angriffe bis zu 2000 Punkte oder gut 8% ein, ein Verlust von rund 150 Mrd. Euro an Börsenwert bei den 40 Dax-Konzernen. Das Handelsblatt zitierte Kapitalmarktstrategen Ed Yardeni, Gründer des unabhängigen New Yorker Research-Hauses Yardeni Research:
„Die Befürchtung, dass eine sich verschlechternde Wirtschaftslage die Unternehmensgewinne belasten könnte, hat deutlich zugenommen.“
Iran-Kriegskosten: Szenarien von 100 bis 200 Dollar
Rory Johnston ist Autor des Commodity-Context-Newsletters, eines der einflussreichsten unabhängigen Rohstoff-Publikationen in Nordamerika, und gilt in der Branche als ausgesprochen nüchterner Analytiker. Umso bemerkenswerter, dass er im Podcast „Odd Lots“ der amerikanischen Wirtschaftsnachrichtenseite ausdrücklich Alarm schlug.
Die dauerhafte Schließung der Straße von Hormus, so Johnston im Podcast, sei „das Worst-Case-Szenario, das in Branchenkreisen typischerweise nur als Gedankenexperiment verwendet wird. „Es ist die Art von Frage, die man sich nur hypothetisch stellt: Was wäre, wenn dies passieren würde? Und nun ist dieser Worst-Case passiert.“
Der amerikanische Analyst hält es für realistisch, dass Öl auf 200 Dollar, umgerechnet 172 Euro, und darüber hinaus steigen könnte: mit empfindlichen Konsequenzen für Kraftstoffpreise und möglichen ernsthaften Versorgungsengpässen im Rest der Welt.
Johnston erläuterte im Podcast den entscheidenden Punkt: Da das globale Ölangebot relativ unelastisch ist, Ölfelder können nicht auf Knopfdruck hochgefahren werden, muss bei einem dauerhaften Angebotsausfall die Nachfrage durch Preise rationiert werden. Im Podcast wurde ein historischer Vergleich gezogen: Ein Wegfall von 20% der Ölexporte sei in seiner Größenordnung vergleichbar mit dem Rückgang des globalen Ölkonsums während des Höhepunkts des Covid-Lockdowns 2020:
„Wenn 20% des Angebots verschwinden, muss auch die Nachfrage um 20% sinken. Und das kann nur über den Preis geschehen. Das bedeutet Preisniveaus, die die meisten Marktteilnehmer bisher für undenkbar gehalten haben.“
In verschiedenen Szenarien hat die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer anhand von Ölexport- und Importdaten ausgerechnet, was der durch den Iran-Krieg ausgelöste Ölpreisschock für Russland und Deutschland bedeutet. Es geht um hunderte Milliarden Euro.
Der russische Staatshaushalt 2026 basiert auf einem Urals-Preis von 50,8 Euro, 59 Dollar, pro Barrel bei einem Wechselkurs von 92,2 Rubel pro Dollar. Kirill Rodionow, Energieanalyst am Moskauer Zentrum für wirtschaftliche und politische Reformen erklärte gegenüber der Wirtschaftszeitung RBC: „In den vergangenen Monaten lag der Durchschnittspreis bei etwa 40 Dollar – ein Niveau, das für den Haushalt kritisch war.“
Der Abschlag von Urals gegenüber dem globalen Benchmark Brent weitete sich laut Bloomberg auf bis zu 30 Dollar, umgerechnet 26 Euro, aus, den höchsten Abschlagsstand seit April 2023. Hauptgrund war der Einbruch russischer Ölexporte nach Indien, nachdem Washington Indiens Käufe mit Strafzöllen belegte. Nach den US-israelischen Angriffen auf Iran wurde Urals zeitweise sogar über Brent gehandelt.
Laut dem britischen Marktinformationsunternehmen Argus Media kauften indische Raffinerien russisches Öl zu einem Aufpreis von 1 bis 5 Dollar pro Barrel. Das US-Finanzministerium gewährte Indien am 8. März einen 30-tägigen Sanktionsverzicht für den Kauf russischen Öls. Analysten schätzen, dass dieser 30-Tage-Waiver Russia ermöglichte, rund 125 Mio. Barrel wieder zu verkaufen – und der Preissprung innerhalb von wenigen Tagen Moskau Mehreinnahmen von über einer Milliarde Dollar bescherte.
Eigene Berechnungen der Deutschen Auslandshandelskammer auf Basis von Exportdaten der Internationalen Energiebehörde (IEA) und mithilfe von KI-Programmen zeigen die Auswirkungen erhöhter Ölpreise für die russische Wirtschaft.

Bei einem durchschnittlichen Urals-Preis von 50 Dollar lägen Russlands jährliche Bruttoeinnahmen aus Rohölexporten bei rund 87,6 Mrd. Dollar – 15,8 Mrd. Dollar unter dem Haushaltsansatz. Bei einem Urals-Preis von 75 Dollar lägen Russlands jährliche Bruttoeinnahmen aus Rohölexporten bei rund 131,4 Mrd. Dollar – bereits 28 Mrd. Dollar mehr als im Staatshaushalt eingeplant. Bei 100 Dollar wären es bereits 175,2 Mrd. Dollar, ein Plus von 71,8 Mrd. gegenüber dem Planpreis. Bei 130 Dollar stiegen die Einnahmen auf 227,8 Mrd. Dollar, Mehreinnahmen von 124,4 Mrd. Bei 150 Dollar auf 262,8 Mrd., ein Plus von 159,4 Mrd. Und im Extremszenario von 200 Dollar pro Barrel kämen 350,4 Mrd. Dollar zusammen: 247 Mrd. mehr als im Haushalt geplant. Zum Vergleich: Der russische Militärhaushalt 2026 beläuft sich auf rund 145 Mrd. Dollar, rund 125 Mrd. Euro.
Urals notiert am 15. April bei 117,50 US-Dollar pro Fass, wie Trading Economics meldet. Zu diesem Preis verdient Russland jährlich 205,9 Mrd. US-Dollar an Rohölexporten. Der russische Haushalt 2026 rechnet mit 59 US-Dollar. Die Differenz: 102,5 Mrd. US-Dollar pro Jahr, 8,5 Mrd. pro Monat, 280,8 Mio. pro Tag. Vor der Hormus-Krise lag der Urals-Preis nur bei 40 US-Dollar. Gemessen daran fließen heute 135,8 Mrd. US-Dollar mehr pro Jahr nach Moskau – 11,3 Mrd. pro Monat, 372 Mio. pro Tag.
Russische Einschätzungen bleiben konservativ
Seit Beginn des Jahres 2026 stand Russlands Staatshaushalt unter erheblichem Druck: der Preis für russisches Öl war niedriger als angenommen und der Rubel gegenüber dem Dollar stark. Im Gegensatz zu westlichen Experten, die Extrempreise für Öl möglich halten, äußern sich russische Experten zurückhaltend, prognostizieren aber auch höhere Einnahmen für den russischen Haushalt.
Der Finam-Analyst Sergej Kaufman, Finam ist einer der größten russischen Online-Broker und betreibt ein eigenes Makroresearch-Team, erwartet, dass der Preisabschlag für Urals gegenüber Brent unter 17 Euro pro Barrel sinken wird.
„In den letzten Monaten haben sich die Preisabschläge aufgrund des Wettbewerbs zwischen russischem und iranischem Öl vergrößert – doch nun sind die iranischen Lieferungen aus offensichtlichen Gründen praktisch zum Erliegen gekommen“, so Kaufman. Das bedeutet: Nicht nur der absolute Ölpreis steigt für Russland, sondern auch der relative Preis russischen Öls gegenüber den Sorten wie Brent und WTI.
Sein Kollege Nikolaj Dudtschenko, ebenfalls bei Finam, rechnete vor: Sollte der durchschnittliche Urals-Preis bis Ende 2026 im Bereich von 51,7 bis 55,9 Euro verbleiben, würden Russlands Öl- und Gaseinnahmen die geplanten Werte um bis zu 775,0 Mrd. Rubel, rund 9 Mrd. Euro, übersteigen.
Alexander Frolow, stellvertretender Generaldirektor des Instituts für Nationale Energie ist optimistischer: „Ich gehe davon aus, dass die Einnahmen aus Öl und Gas im Vergleich zu Januar und Februar 2026 um 30 bis 50% steigen werden.“
Das Finanzministerium hatte für diese beiden Monate Einnahmen von 825 Mrd. Rubel ausgewiesen – ein Anstieg von 30 bis 50% würde also zusätzliche 247,5 bis 412,5 Mrd. Rubel, 2,7–4,5 Mrd. Euro bedeuten.
Rubel, Dollar, Barrel: Die drei wichtigen Variablen
Die Wirkung des Ölpreisanstiegs auf Russlands Staatsfinanzen ist untrennbar mit dem Rubelkurs verbunden – und diese Wechselwirkung ist komplexer, als sie auf den ersten Blick erscheint. Der Haushalt ist in Rubel denominiert; Exporterlöse werden in Dollar erzielt und dann in Rubel umgetauscht. Ein schwächerer Rubel verstärkt den Rubelgegenwert der Dollareinnahmen. Ein steigender Ölpreis tendiert dazu, den Rubel zu stärken, was den positiven Effekt teilweise wieder auffrisst.
Bei dem im Haushalt unterstellten Kurs von 92,2 Rubel pro Dollar und einem Urals-Preis von 50,8 Euro ergibt sich ein Barrel-Erlös von rund 5440 Rubel. Im Marktumfeld vor dem Krieg – mit einem Wechselkurs von etwa 80 Rubel und einem Urals-Preis von 45 Euro – liegt der Rubelerlös bei rund 3600 Rubel: deutlich unter dem Planwert.

Steigt der Urals-Preis auf 100 Dollar und der Rubelkurs auf 85 Rubel, klettert der Rubelerlös auf 8500 Rubel je Barrel – mehr als doppelt so viel wie der Haushaltsplanwert. Bei 130 Dollar wären es 11.050 Rubel; bei 150 Dollar 12.750 Rubel. Im Extremszenario von 200 Dollar pro Fass lägen die Rubeleinnahmen je Barrel bei 17.000 – mehr als dreimal so viel wie im Haushaltsplan vorgesehen.
Nach der Schließung der Straße berichteten Politico, Bloomberg, The Guardian und Associated Press übereinstimmend, dass Russland unter den Öllieferanten der Hauptprofiteur der Krise war. Politico merkte zudem an, dass die USA parallel zu den Ereignissen im Iran weiterhin die Kontrolle über das venezolanische Öl behalten – was bedeutet, dass wichtige Abnehmer wie Indien und China sich für zusätzliche Lieferungen verstärkt an Moskau wenden müssen.
Autark versus abhängig: Warum Amerika kaum spürt, was Deutschland trifft
Gabor Steingart, Verleger und Gründer des Berliner Medienhauses The Pioneer sowie langjähriger Chefredakteur des Handelsblatts, kommentierte die Asymmetrie der Auswirkungen der Krise in seinem Morning Briefing vom 10. März pointiert: „Verrückt, aber wahr: Die USA, die den Krieg im Nahen Osten begonnen haben, sind kaum betroffen. Deutschland, das diesen Krieg weder wollte noch begonnen hat, leidet wie ein Hund." Der Grund liegt laut Steingart vor allem in der Energiepolitik: Amerika habe sich durch die vorangetriebene Produktion von Flüssigerdgas nahezu unabhängig vom Weltmarkt gemacht, während Deutschland, nach dem Atomausstieg, abhängiger von fossilen Importen sei als je zuvor.
Ein Anstieg des Ölpreises auf 100 Dollar pro Barrel wäre laut einer aktuellen Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) mit Kosten für die deutsche Wirtschaft in Höhe von 0,3% des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2026 und 0,6% im Jahr 2027 verbunden – insgesamt ein Verlust an Wirtschaftsleistung von rund 40 Mrd. Euro über zwei Jahre. Im Extremszenario eines dauerhaft hohen Ölpreises wächst dieser Schaden erheblich: In absoluten Werten entspräche das einem Verlust von real über 80 Mrd. Euro in zwei Jahren, bei gleichzeitig um 1,6% höheren Verbraucherpreisen im Jahr 2026 und 1,9% im Jahr 2027.
Berechnungen der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer zeigen, wie stark der Ölpreisanstieg die deutsche Importrechnung belasten könnte. Deutschland importiert nach Angaben der Internationalen Energiebehörde IEA rund 1,8 Mio. Barrel Rohöl täglich. Bei einem Ölpreis von 50 Dollar und einem Wechselkurs von 1 Dollar gleich 0,92 Euro läge die jährliche Importrechnung bei rund 30,3 Mrd. Euro. Bei 100 Dollar bereits bei 60,4 Milliarden Euro – einer Verdoppelung der Kosten. Bei 130 Dollar stiegen die Kosten auf 78,6 Mrd. Euro, bei 150 Dollar auf 90,7 Mrd. Euro. Im Extremszenario von 200 Dollar pro Barrel würde Deutschland jährlich 120,9 Mrd. Euro für Rohölimporte aufwenden.
Zum Vergleich: Der gesamte Bundeshaushalt 2026 umfasst Ausgaben von rund 480 Mrd. Euro. Eine Ölimportrechnung von 120 Mrd. Euro entspräche damit einem Viertel des gesamten Bundeshaushalts.
Die Zahlen sind Modellrechnungen, die auf vereinfachenden Annahmen beruhen: konstantem Importvolumen, einem fixen Wechselkurs und Bruttopreisen ohne Verarbeitungsmargen. Die Wirklichkeit ist komplexer. Dennoch illustrieren sie mit aller Deutlichkeit das strukturelle Dilemma, in dem Deutschland steckt: Als eine der energieimportabhängigsten Volkswirtschaften der Welt ist die Bundesrepublik einem Ölpreisschock stark ausgesetzt.

Eigene Berechnungen auf Basis von IEA-Importdaten verdeutlichen die Dimension, die hinter diesen Prozentzahlen steckt. Bei einem Ölpreis von 50 Dollar beläuft sich die jährliche deutsche Ölimportrechnung auf rund 30,3 Mrd. Euro. Bei 75 Dollar pro Fass liegt der Preis bei rund 45 Mrd. Euro. Steigt der Preis auf 100 Dollar, erhöht sich sich die Rechnung auf 60,4 Mrd. Euro. Bei 130 Dollar wären es 78,6 Mrd. Euro, bei 150 Dollar bereits 90,7 Mrd. Euro. Im Extremszenario von 200 Dollar würde Deutschland allein für Ölimporte 120,9 Mrd. Euro aufwenden: viermal so viel wie im Ausgangsszenario und mehr als ein Viertel des gesamten Bundeshaushalts.
Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Düsseldorfer Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), formulierte es knapp: „Bis zum Kriegsausbruch ging die Tendenz dahin, unsere Erwartung von bisher 1,2% Wirtschaftswachstum für 2026 noch ein wenig heraufzusetzen. Das hat sich jetzt auf jeden Fall erledigt.“ Sollte der Krieg länger andauern und die Öl- und LNG-Lieferungen aus der Region längere Zeit unterbrochen bleiben, könne der Energiepreisschock groß genug sein, um die für 2026 erhoffte Erholung der deutschen Wirtschaft zum Erliegen zu bringen.
An den Tankstellen ist die Krise bereits unmittelbar spürbar: Super E10 kostete im bundesweiten Tagesdurchschnitt rund 20,6 Cent mehr als vor Beginn des Irankrieges, Diesel sogar 37,1 Cent mehr, und lag damit im Schnitt über 2,10 Euro pro Liter. Der Autofahrerverband ADAC warf der Mineralölwirtschaft dabei vor, den Preisanstieg über das vertretbare Maß hinaus zu nutzen.
Was der Irankrieg für einen Frieden in der Ukraine bedeutet
Der Irankrieg hat nicht nur die Ölmärkte erschüttert, er wirft womöglich auch die fragilen Anstrengungen um eine diplomatische Lösung des Ukraine-Konfliktes aus der Bahn.
Ein Frieden in der Ukraine rücke nun in weite Ferne, urteilt Jennifer Kavanagh, Direktorin für Militäranalyse der Washingtoner Denkfabrik Defense Priorities, im amerikanischen Fachjournal Responsible Statecraft: „Die Trump-Administration hatte gehofft, Russlands Öleinnahmen langsam auszutrocknen, um Moskau zu größeren Kompromissen am Verhandlungstisch zu zwingen. Dieser Hebel ist nun verloren.“
Die Analysten der niederländischen ING Bank zeigen, warum das so ist: Im Basisszenario – vier Wochen Störung der Durchfahrt durch die Straße von Hormus – stabilisiert sich Brent bei durchschnittlich 68 Dollar im Jahresverlauf. Bei einer dreimonatigen Teilblockade steigt der Preis im zweiten Quartal auf 89 Dollar. Im Extremszenario einer vollständigen dreimonatigen Schließung würde Brent im zweiten Quartal auf 110 Dollar klettern und im Jahresdurchschnitt 2026 bei 95 Dollar verharren.
Eurosintelligence, ein Brüsseler Wirtschaftsdienst, schreibt: „Leider gibt es für Trump und für uns alle keine einfache Lösung für sein Hormus-Problem. Die Ölmärkte werden wahrscheinlich so lange mit Störungen zu kämpfen haben, wie dieser Krieg andauert. Die Ölkrise wird so schnell nicht vorbei sein.“
Für Russland ist das eine Nachricht, die besser kaum sein könnte. „Bislang gibt es in diesem Krieg nur einen Gewinner: Russland“, sagte EU-Ratspräsident António Costa am Dienstag in Brüssel. Russland gewinne neue Ressourcen zur Finanzierung seines Militärs, da die Energiepreise steigen. Es profitiere von der Ablenkung militärischer Kapazitäten, die andernfalls zur Unterstützung der Ukraine hätten eingesetzt werden können. Und es profitiere davon, dass die Aufmerksamkeit vom ukrainischen Konflikt abgezogen werde, während der Konflikt im Nahen Osten in den Vordergrund rücke.
James Henderson vom Oxford Institute for Energy Studies formulierte es gegenüber dem amerikanischen Nachrichtensender NBC so: „Es würde niemanden überraschen, wenn die russischen Militärausgaben infolgedessen steigen würden. Mehr Geld ist verfügbar, und deshalb steht mehr Geld für Ausgaben im Militärbereich zur Verfügung.“
Quellen: ING Bank, Kpler, FT, Bloomberg, CNBC, IEA, Responsible Statecraft, NBC (alle EN), RBC, Kommersant, Global Affairs (alle RU), Spiegel, Bild
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