„Ich bereue nichts!“

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„Ich bereue nichts!“

Andrea von Knoop, Kammer-Ehrenpräsidentin und Gründerin des Verbandes der Deutschen Wirtschaft über die wilden Neunziger, die Zukunft der deutsch-russischen Beziehungen und das 30-Jahre-Jubiläum der Auslandshandelskammer

Von Tamta Agumawa März 2026

Die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer, deren Ehrenpräsidentin Sie sind und die Sie oft als Ihr Baby bezeichnen, wird in diesem Jahr 30. Hat der Waffengang zwischen Russland und der Ukraine Ihr Lebenswerk zerstört?

Ich war damals im Februar 2022 in der Tat vom Gefühl überwältigt, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Alles, wofür wir unermüdlich Tag und Nacht gearbeitet hatten, was wir mit so viel Mühe und manchmal unter Risiko für meine persönliche Sicherheit aufgebaut hatten, lag plötzlich in Schutt und Asche. Ich gebe zu, dass da für eine Weile der Gedanke dominierte: Alles kaputt! Um Abstand zu gewinnen und um mich wieder zu sammeln, bin ich dann aus meinem geliebten Moskau für ein paar Monate nach Deutschland gereist. Das war die richtige Entscheidung.

Woraus schöpften Sie Kraft und Hoffnung, wieder nach Russland zurückzukehren?

Aus der Vergangenheit. Aus der rund 800 Jahre langen Geschichte der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen. Das ist ein Fundament, das selbst zwei verheerenden Weltkriegen standgehalten hat, in denen Russen und Deutschen sich gegenüberstanden. Dieser Gedanke half mir, meinen langfristigen Optimismus zu bewahren.

In Ihrer Zeit an der Spitze des Verbandes der Deutschen Wirtschaft in Russland entstand der Prachtband „Eine große Zukunft: Deutsche in Russlands Wirtschaft“ mit den Geschichten der wichtigsten deutschen Unternehmerdynastien in Russland. Haben die Beziehungen beider Länder nach dem gegenwärtigen Blutvergießen, nach westlichen Sanktionen und russischen Gegenmaßnahmen noch eine Zukunft?

Ich bin keine Hellseherin und verfüge über keine Glaskugel. Aber auch hier hilft der Blick in die Vergangenheit. Über die große Zeitspanne von acht Jahrhunderten wurden die deutsch-russischen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen nur in Zeiten extremer Konflikte unterbrochen, wie etwa während und kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Ansonsten weisen sie eine ungebrochene Kontinuität auf. Sie begannen noch im Mittelalter, um die Zeit der Hanse. Deutsche Unternehmer haben später einen enormen Einfluss auf Russland und dessen Wirtschaft gehabt. Ich kann nicht umhin, als Beispiel den berühmten Vorfahren meines verstorbenen Mannes zu erwähnen, dessen Namen ich heute trage – Ludwig von Knoop. Als einfacher Kaufmann aus Bremen kam er mit knapp 19 Jahren ins zaristische Russland und revolutionierte bald darauf die russische Textilindustrie. Ludwig von Knoop ist nur einer der zahlreichen deutschen Unternehmer, die in diesem großen Band vorkommen. Das Buch lässt nur einen Schluss zu: Russland braucht Deutschland und umgekehrt braucht Deutschland Russland, auch wenn es manche Politiker heute auf beiden Seiten nicht wahrhaben wollen. Unsere Länder werden aber in Zukunft wieder zueinanderfinden, so wie sie es schon in der Vergangenheit nach Kriegen und Krisen mehrmals getan haben. Dessen bin ich mir sicher.

Einen gigantischen Markt wie Russland verlässt kein internationales Unternehmen freiwillig. Deshalb glaube ich, dass diese Firmen zurückkehren wollen, sobald die Vorzeichen günstiger stehen. Eine Rückkehr wird aber nicht einfach.

Glauben Sie an die Rückkehr von Unternehmen wie Volkswagen, Mercedes und Henkel, die sich nach 2022 aus dem russischen Markt zurückgezogen haben?

Irgendwann kommen sie sicher zurück, aber bestimmt nicht morgen oder übermorgen. Ob das in fünf, zehn, zwanzig oder dreißig Jahren passiert, kann ich heute nicht sagen. Ich bin der Überzeugung, dass die Mehrzahl der deutschen Unternehmen den russischen Markt, in den sie über Jahrzehnte – oder wie Siemens sogar über Jahrhunderte – so viel Geld investiert und in dem sie gut verdient und bewährte Partner hatten, nur ungern verlassen haben. Sie taten das im Wissen, dass Konkurrenten aus China und anderen Ländern in die hinterlassenen Lücken stoßen würden. Einen gigantischen Zukunftsmarkt wie Russland verlässt kein internationales Unternehmen so ohne Weiteres. Deshalb glaube ich, dass diese Unternehmen zurückkehren wollen, sobald die Vorzeichen günstiger stehen. Eine Rückkehr wird allerdings nicht einfach.

Ist der russische Markt womöglich auf Dauer an China verloren?

Die Deutschen genießen in Russland heute noch sehr hohes Ansehen. Auch wenn sie als „unfreundliches Land“, das gegen Russland Sanktionen verhängt hat, angeprangert werden. Dieser gute Ruf kommt nicht von ungefähr, er hat tiefe Wurzeln. Dank ihrem Fleiß, ihrer Verlässlichkeit und Treue haben deutsche Unternehmer in den vielen Jahren der deutsch-russischen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen immer wieder bewiesen, dass sie auch in chaotischen und turbulenten Zeiten vertrauenswürdige Partner bleiben. Auf diesem guten Renommee werden deutsche Großunternehmen bei ihrer Rückkehr nach Russland aufbauen können.

Wie entstand der Verband der Deutschen Wirtschaft, die Vorläuferorganisation der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer?

Schon Anfang der Neunzigerjahre gab es Versuche, sich zu organisieren. Ich erinnere mich gut an den beliebten Club „M002“, benannt nach dem damaligen offiziellen Autokennzeichen für deutsche Firmenvertreter, als regelmäßigen geselligen Treffpunkt. Seit 1991 gab es zudem den „Arbeitskreis der deutschen Firmenvertreter in Moskau“, kurz AK, über den jedoch lediglich rund 100 Firmen erreicht werden konnten. Schon 1995 waren aber allein in Moskau bereits 800 deutsche Firmen registriert. Die Zeit war also reif für ein Selbstverwaltungsorgan, über das die deutsche Wirtschaft in Russland mit einer Stimme sprechen konnte. Im März 1993 entsandte mich der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHT) nach Moskau, um die Delegation der Deutschen Wirtschaft in Russland aufzubauen. In Ergänzung dazu gründeten wir im März 1995 den Verband der Deutschen Wirtschaft als Mitgliedervereinigung der in Russland tätigen Firmen. Gründungspräsident war Otto Wolff von Amerongen, der dem Verband ein zusätzliches Renommee verlieh. Schon am Tag der Gründung hatten 150 deutschen Unternehmen ihre Mitgliedschaft erklärt. Das Endziel war immer eine bilaterale Auslandshandelskammer gewesen, die unter den damaligen rechtlichen Bedingungen noch nicht möglich war. 2007 war es endlich so weit: Der Verband wurde offiziell in die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer umgewandelt, die aber nach wie vor in der juristischen Form eines Verbands registriert ist. Alle wesentlichen Strukturen der Kammer, angefangen von den Komitees und Arbeitsgruppen bis hin zum Präsidialrat, hatten wir vorher geschaffen. Deshalb feiern wir in diesem Jahr unser 30-jähriges Bestehen.

Wie war die Stimmung unter den deutschen Unternehmen gegenüber Russland in den Neunzigern?

Die Sowjetunion war erst vor wenigen Jahren zusammengebrochen. Das neue Russland entstand und wir wurden Zeugen eines schmerzhaften Aufbruchs in die Marktwirtschaft. Ich nenne nur die Stichworte Preisliberalisierung, Hyperinflation, Schocktherapie, Voucherprivatisierung. Russland befand sich mit den beiden Putschversuchen 1991 und 1993 am Rande des Bürgerkriegs. Die Gefahr einer Rückkehr zum Kommunismus war real. Und kaum hatte sich das Land nach diesen erschütternden Ereignissen erholt, brach die verheerende Wirtschaftskrise von 1998 über uns herein.

Unternehmern vergeht unter solchen Bedingungen wohl schnell die Lust aufs Geschäft…

Vor allem Firmen aus den USA haben Russland damals beim leisesten Schatten verlassen. Auch einige italienische und französische Firmen haben es nicht lange ausgehalten. Deutsche Unternehmen aber lassen sich nicht so schnell abschrecken und sind in der Hoffnung auf bessere Zeiten mehrheitlich geblieben. Trotz der chaotischen makroökonomischen Bedingungen sahen sie große Chancen in diesem riesigen entstehenden Zukunftsmarkt. Das geduldige Ausharren zahlte sich aus. Ab 1999 setzte in Russland ein beeindruckendes Wirtschaftswachstum ein, Anfang der 2000er wurde das Land von den USA und der EU als Marktwirtschaft anerkannt. Das Chaos der Neunziger wich einer spürbaren Verbesserung der Wirtschaftsbedingungen.

Welche Rolle kam dem Verband in diesen schweren Zeiten zu?

Die alten sowjetischen Gesetze galten nicht mehr, neue mussten erst entstehen. Die 400 Firmenvertreter, die in den Komitees und Arbeitsgruppen unseres Verbands aktiv waren, haben auf Bitten der russischen Regierung bei der Gestaltung der neuen Gesetze mitgeholfen, insbesondere in den Bereichen ausländische Investitionen, Steuern und Zoll. Während des Staatsbankrotts 1998 und nicht nur da war unser Verband für die deutsche Wirtschaft vor Ort ein Fels in der Brandung. Wir haben wöchentliche Krisenfrühstücke veranstaltet, die sich einer hohen Nachfrage erfreuten. All das haben wir in einem kleinen Team von nicht einmal zehn Leuten geleistet, die praktisch rund um die Uhr arbeiteten. Wir hatten vergessen, was Freizeit ist. Ich war persönlich bei vielen Gesprächen mit russischen Ministieren und Behörden dabei, um zu helfen, die besten Bedingungen für unsere Unternehmen auszuhandeln und dafür zu sorgen, dass keiner über den Tisch gezogen wird. Das brauchte Mut, Zivilcourage und ein exzellentes Beziehungsgeflecht. „Die Dame ist knallhart, aber fair“, hat der damalige Moskauer Oberbürgermeister Juri Luschkow einmal über mich gesagt.

Sind Firmen und Sie selbst damals auch bedroht worden?

Und wie. Man nannte Russland damals nicht umsonst den Wilden Osten. Einem deutschen Firmenchef in Jekaterinburg hatte die Mafia damals die Wohnungstür zugeschweißt, weil der ehemalige russische Generaldirektor das Werk zurückhaben wollte. Ein weiteres deutsches Unternehmen bekam Besuch von der Steuerpolizei, die zur Einschüchterung gleich mit Baseballschlägern anrückte. Bei einer anderen Firma verbarrikadierten Kriminelle die Tür von außen und leiteten durch ein Loch Lachgas ein.

Ich habe mich jedes Mal persönlich eingeschaltet, um die deutschen Firmen in Schutz zu nehmen. Das kam nicht immer gut an. Der damalige Gouverneur des Gebiets Swerdlowsk setzte mich auf seine Schwarze Liste, sodass ich die Stadt Jekaterinburg einige Jahre nicht besuchen konnte. Einmal bekam ich sogar Morddrohungen von einem arabischen Terroristen, mit dem sich eine Mitarbeiterin eingelassen hatte und der mich um Geld erpressen wollte. Die Drohungen kamen bis nach Bonn, ich musste eine Zeit lang von einem Bodyguard überallhin begleitet werden.

Wie haben Sie sich gewehrt?

Wir hatten damals speziell ein Sicherheitskomitee eingerichtet, dem Norbert Wolff, der Sicherheitschef von Siemens weltweit, vorstand. Er reiste extra zu den Komiteesitzungen an, die hinter verschlossenen Türen stattfanden. Und für seine regelmäßigen Sprechstunden standen die Firmen Schlange – so oft wurden sie damals bedroht! Mit Vertretern des russischen Innenministeriums war ich persönlich ständig in Kontakt wie ebenso im konstruktiven, oft bei der Lösung von Problemen deutscher Firmen hilfreichen Dialog mit wirtschaftsliberalen Regierungsmitgliedern. Wie Sie sehen, unterschieden sich meine Aufgaben etwas von denen des heutigen Kammer-Chefs. Es gab damals einfach andere Herausforderungen.

Haben Sie manchmal daran gedacht, aufzugeben und nach Deutschland zurückzugehen?

Nein. Das war für mich eine Mission, die ich mit Leidenschaft und Hingabe wahrgenommen habe. Das war mein Herzblut und meine Lebensaufgabe. Ich bin schon immer eine mutige Person gewesen, mit Zivilcourage. Es war meine Gemeinde, meine Firmenvertreter, die es zu beschützen galt. Aufgeben? Auf keinen Fall.

War und ist die deutsch-russische Vergangenheit mit Katharina der Großen, einer Deutschen auf dem Zarenthron, auf der einen und Hitlers Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion auf der anderen Seite für die bilateralen Beziehungen eher eine Hypothek oder ein Plus?

Die jahrhundertlangen Verbindungen zu Deutschland in den Bereichen Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft sind bei der russischen Bevölkerung bis heute positiv präsent. Russen wissen die Verdienste der Deutschen in ihrem Land zu schätzen. Präsent ist im kollektiven Gedächtnis aber auch der verheerende Zweite Weltkrieg, der keine russische Familie verschont hat. Und trotzdem habe ich in den vielen Jahren, die ich in Russland lebe und arbeite, kein einziges Mal Ressentiments gespürt, weil ich Deutsche bin.

Das sagen viele Deutsche, die in Russland arbeiten und leben.

Das glaube ich. Russen sind nicht nachtragend. Sie haben die großartige Eigenschaft, zwischen langjährigen guten Beziehungen und einem verheerenden Krieg, zwischen einfachen Menschen und der Politik eines Landes zu differenzieren. Darin sehe ich menschliche Größe.

Was war der größte Erfolg Ihrer Amtszeit?

Der Verband selbst. Es waren damals eine unglaubliche Aufbruchstimmung und ein ganz besonderer Spirit im Spiel, der uns in bewegten Jahren zusammenstehen ließ. Die Tatsache, dass wir eine Organisation auf die Beine gestellt haben, mit der die damals immer zahlreicher werdenden deutschen Firmen ihre Interessen bündeln und mit einer Stimme sprechen konnten, ist ein einzigartiger Erfolg. Und ich bin stolz darauf, diese Stimme gewesen zu sein und dazu beigetragen zu haben, vielen deutschen Firmen auf ihrem dornigen Weg zum Erfolg zu verhelfen.

Vor allem Firmen aus den USA haben Russland damals beim leisesten Schatten verlassen. Deutsche Unternehmen ließen sich aber nicht so schnell abschrecken und sind in der Hoffnung auf bessere Zeiten geblieben. Die Geduld zahlte sich später aus.

Wer ist Ihr Vorbild?

Mein Mentor Otto Wolff von Amerongen, den ich schon seit meiner Jugend durch mein Elternhaus kannte. Er hat mich inspiriert, den Weg nach Russland einzuschlagen. So reiste ich im Alter von 19 Jahren direkt nach dem Abitur zum ersten Mal in die damalige Sowjetunion. Als er mich Anfang der Neunzigerjahre bat, die Delegation der Deutschen Wirtschaft in Russland aufzubauen, fühlte ich mich sehr geehrt. Amerongen war 45 Jahre Vorsitzender des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft und 20 Jahre Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHT). Er wurde zum Wegbereiter des Osthandels und Brückenbauer zwischen Ost und West sowie eine Schlüsselfigur in den deutsch-sowjetischen und später deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen.

Meine besondere Bewunderung gilt zudem Zarin Katharina der Großen. Eine deutsche Prinzessin, die das Schicksal nach Russland verschlug und die in die Geschichte des Landes als eine hervorragende Herrscherin einging. Sie hat Russland mehr geliebt als manch ein Russe. „Ich bin Deutsche von Geburt und Russin im Geiste“, pflegte sie über sich selbst zu sagen. Damit spricht sie mir aus der Seele.

Warum sind Sie auch nach Ende Ihre Kammertätigkeit in Russland geblieben?

Russland ist ein Land, das Menschen nicht lauwarm lässt. Entweder man kann hier nicht leben und lehnt es ab – zu diesen gehören aber die wenigsten Ausländer, die hierher kommen – oder man verfällt diesem „Virus“ und wird nicht mehr losgelassen. Ich gehöre in die zweite Kategorie. Ich kann mir mein Leben heute ohne Russland und meine hiesigen Freunde nicht vorstellen, das Land ist meine Seelenheimat geworden.

Sie haben ein außergewöhnlich spannendes Leben geführt und dabei Menschen getroffen, die viele in der Regel nur im Fernsehen sehen. Gibt es etwas, was Sie noch nicht getan haben und es noch nachholen möchten?

In meiner Amtszeit habe ich tatsächlich viele hochrangige russische und deutsche Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Politik kennengelernt. Ein besonderer Höhepunkt war der Besuch des Bundespräsidenten Roman Herzog in Moskau im Jahr 1997. Wir hatten die Ehre, ihn als Gastgeber im Haus der Deutschen Wirtschaft zu empfangen. Außerdem gab es Treffen mit Bundeskanzler Gerhard Schröder, als er Ende der Neunziger nach Russland kam. Den russischen Präsidenten Wladimir Putin habe ich auch mehrmals persönlich getroffen. An spannenden Begegnungen hat es in meinem Leben tatsächlich nicht gefehlt.

Was ich aber nachholen würde, ist eine Reise nach Weliki Nowgorod. Für mich als Russland-Historikerin ist es ein großes Versäumnis, die Stadt, von der praktisch die russische Geschichte ihren Anfang nimmt, nicht besucht zu haben. Zudem möchte ich gerne Blumen auf das Grab des russischen Poeten Michail Lermontow im Dorf Tarchany legen. Das ist fast 650 Kilometer von Moskau entfernt, aber für einen meiner Lieblingsdichter würde ich diese Reise unternehmen. Lermontow ist für mich der russische Schiller.

Sind Sie als Ehrenpräsidentin der Kammer mit der Entwicklung Ihres Babys zufrieden?

Als Nachfolgerorganisation des Verbandes liegt mir die Kammer außerordentlich am Herzen. Insbesondere bin ich auf den heutigen Kammer-Chef Matthias Schepp stolz, weil er dieses verantwortungsvolle Amt – genauso wie ich damals – nicht bloß als „Job“ sieht, sondern als Berufung, und mit einmaligem Engagement die Interessen der vielen hier weiter tätigen Firmen vertritt.

Die Kammer hat durch die Digitalisierung ganz andere technische Möglichkeiten als wir damals. Ihr besonderes Asset ist das unter deutschen Firmenvertretern heißbegehrte Morgentelegramm, das zweimal pro Woche einen hervorragenden Überblick über aktuelle für die Wirtschaft relevante Geschehnisse gibt. Während der Corona-Zeit waren auch die Sonderflüge für deutsche Manager und Ingenieure eine große Hilfe. In diesen schweren Zeiten, in denen Firmen mehr oder weniger auf sich allein gestellt sind, ist die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer ein Anlaufpunkt und stellt zudem eine einzigartige und starke Brücke zwischen den beiden Ländern dar. Das ist angesichts der politischen Lage eine Meisterleistung.

Bereuen Sie etwas, wenn Sie auf Ihr Leben zurückblicken?

Darauf antworte ich kurz und knapp mit den Worten aus dem weltberühmten Chanson von Édith Piaf: Non, je ne regrette rien – Nein, ich bereue nichts!

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