Bei den jährlich mehr als 200 Kammer-Veranstaltungen werden nicht nur alte Bekanntschaften gefestigt und neue geschlossen. Branchenkonferenzen und Komiteesitzungen sind oft auch eine Plattform für ebenso schnelle wie nachhaltige Business-Deals. Eine dieser Erfolgsgeschichten ist die Zusammenarbeit der Fensterbauer von Veka mit dem Bauunternehmen Bavaria-Bau.
Frank Ebbecke
Gesucht haben sie sich nicht unbedingt, dafür aber schnell gefunden. Es war eine der regelmäßigen Branchenkonferenzen der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer, diesmal zum Thema Bauwirtschaft. Der Small Talk nach dem Ende des Programms und über eine entspannende Tasse Kaffee und ein Glas Wein wurde für zwei Teilnehmer hoch oben auf der 17. Etage des mächtig-beeindruckenden Ovalbaus des russisch-deutschen Star-Architekten Sergej Tchoban in Filigrad, im repräsentativen Ambiente des stets rührigen Wirtschaftsverbandes, spontan und unvermittelt zum „Big Talk“ – zwischen dem einen, dem jungen Gründer der Rohbaufirma für Privathäuser Bavaria-Bau, Waldemar Eberhardt aus dem Süddeutschen, und dem anderen, dem jahrzehntelangen Marketing-Profi Sergej Jelnikow der Firma Veka in Moskau, weltweit der erfolgreichste, innovative Profilhersteller für Fenster, Türen und Rollläden – angestammter Hauptsitz im westfälischen Sendenhorst, gegründet 1969 – seit 1997 mit eigener Produktion an mehreren Standorten in Russland.
Sergej Jelnikow, mit Doktortitel der Philologie, hat von Beginn der 1990er etliche Jahre nach seinem Studium erst einmal in verschiedenen wissenschaftlich geprägten Funktionen in Deutschland gearbeitet, bevor er in den PR-Bereich wechselte. Sein eloquentes, so gut wie akzentfreies Deutsch lässt kaum den gebürtigen Russen vermuten. In der Mitarbeit zur Erhaltung der Marktführerschaft von Veka hat er eine Art Lebensaufgabe gefunden und sieht auch für private Häuser eine überaus günstige Zukunft, denn so viele Russen würden von einem Eigenheim träumen. Schließlich könne dafür ja als erklecklicher Kostenbeitrag der Verkauf der Wohnungen dienen, die im Übergang aus Sowjetzeiten ins neue Russland umsonst in den Besitz ihrer Bewohner übergegangen waren. Und mit geeigneten Landflächen ist Russland ja überreichlich gesegnet. Besonders attraktiv bei den initialen Überlegungen zur Zusammenarbeit zwischen den beiden war auch das konzeptionelle Angebot von Veka: Seit weit über 50 Jahren hochwertiger Produktion von Profilrahmen, arbeitet Veka aber schon lange mit spezialisierten Partnern im Markt für komplett lieferbare Einbauteile zusammen. Denn Fenster, Türen und Rollläden bestehen aus drei elementaren Segmenten, die von ganz verschiedenen Herstellern kommen: Außer den Profilrahmen gehören Isolierglas und Beschläge dazu. Die verlässliche Lieferung und gesamte Qualitätskontrolle der einbaufertigen Produkte aus einer Veka-Hand passen perfekt zu den Erwartungen und Ansprüchen von Bavaria-Bau – die Kooperation war rasch vereinbart.
Waldemar Eberhardt ist ein Experte für energieeffizientes Bauen mit deutscher Ausbildung an der Fachhochschule Karlsruhe, zertifizierter Passivhaus-Spezialist mit elf Jahren Erfahrung in Deutschland, bevor er sich schon 1993 aus „wirtschaftlicher Zukunftsvision“ – wie er sagt – nach Russland orientierte. Hierzulande war er dann 2014 am Bau des Olympischen Dorfes in Sotschi beteiligt. 2021 gründete Eberhardt schließlich Bavaria-Bau in Moskau – „Bavaria“, übersetzt Bayern genannt, weil doch irgendwie mit positivem Anklang an deutschem handwerklich-technologischem Qualitätsstandard, wie er meint. Inzwischen hat der studierte Bauingenieur und zertifizierter Passivhaus-Spezialist an mehr als 250 Bauprojekten mitgewirkt und mit seiner eingespielten Fachmannschaft und geprüften Materialien aus russischer Produktion mehr als 30 energieeffiziente Rohbauten privater Wohnhäuser hochgezogen. Seine Vielzahl von Musterhäusern tragen alle Namen deutscher Städte – „nomen est omen“: Köln, Freiburg, Frankfurt, Dresden, Dortmund…

Von März bis September sollen es in der Bausaison jeden Jahres 20 Projekte werden. Eberhardt arbeitet vorzugsweise mit immer denselben, bewährten Partnern, hat Kooperationen mit verlässlichen Fachleuten aller fürs Baugewerbe notwendigen Kräfte geschmiedet – wie schon so erfolgreich mit Veka. Leuchtende Beispiele solider und erfolgreich geführter Unternehmen deutscher Landsleute sind für ihn Stefan Dürr von Ekoniva, längst Europas größter Milchproduzent in Russland, und Achim Lutter mit seiner Bautex – beide langjährige und aktive Kammer-Mitglieder.
Ein Eigenheim nach langgehegten Vorstellungen – ein lebenserfüllender Traum, der sich aber auch schnell als Albtraum entpuppen kann, wenn Qualität, Nachhaltigkeit der Baumaterialien und die professionelle Güte deren Verbauung nicht stimmen – ganz zu schweigen von den Kosten und den so üblich auftauchenden Mehrbelastungen wie Fertigstellungsverzögerungen während des Bauprozesses. In Hinsicht auf diese vorurteilsbedingten Befürchtungen stolzer Bauherrn fanden die beiden Geschäftspartner auf einer schnell gewachsenen Vertrauensebene mit der so deutsch-typischen „DNA“ ihrer Unternehmen spontan und schnell auf einer Wellenlänge zueinander, der gebürtige Moskowiter Dr. Sergej Jelnikow von Veka, aufgrund einer jahrzehntelangen beruflichen Laufbahn in Deutschland und mit Deutschen, der andere, Wladimir Eberhardt mit seiner Bavaria-Bau: verbriefte Zuverlässigkeit, kompromisslose Pünktlichkeit und hochwertige Sorgfalt, persönliche Vertrauensbildung und transparente Kostengarantien – gepaart mit dem so russisch-typischen Kreativitätstalent bei der Lösung unvorhergesehener Probleme. Das leben und vermitteln sie beide geradezu leidenschaftlich. Wladimir Eberhardt fasst das emotional in die hehren Worte: „Man kann nicht die ganze Welt zum Besseren verändern, aber doch ein Stück Welt um sich herum.“
Die vielversprechende Kooperationsallianz, gewachsen auf dem fertilen Boden der Kammer, lässt reife Früchte wachsen. Ein bewährtes Marketing-Werkzeug heißt dabei schlicht ‚Mundpropaganda‘. Olga Grigoriewa, Generaldirektorin und Gründerin von Sterngoff Audit, ist dafür nur ein Beispiel von vielen. Ihr Beratungsunternehmen ist spezialisiert auf deutschstämmige Tochterunternehmen, die ebenfalls Mitglieder der Kammer sind. Sie selbst ist seit mehr als einem Jahrzehnt in der Wirtschaftsvereinigung dabei, gehört seit zwei Jahren dem Vorstand der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer an. „Die Kammer vereint echtes Unternehmertum und Menschen“, sagt sie, „sie hilft beruflich und manchmal auch privat.“
So geschehen, als Olga Grigoriewa auf der Suche nach einem Bauunternehmen war, um ihren Traum vom eigenen Haus Wirklichkeit werden zu lassen. Und es geschah auch wieder im Rahmen einer der vielen Kammerveranstaltungen, dass sie die Firma Bavaria-Bau kennenlernte. „Die gemeinsame Mitgliedschaft in der Kammer sorgt für ein gewisses Grundvertrauen“, erinnert sie sich. „So entstand schnell die Verbindung zu Waldemar Eberhardt und seiner Firma Bavaria-Bau.“ Positive Bewertungen in den sozialen Medien sowie der Besuch bereits realisierter Objekte trugen zu Grigoriewas Entscheidung bei, mit dem Macher Waldemar Eberhardt zusammenzuarbeiten. Der Baufortschritt konnte dann sogar übers Mobiltelefon, von Überwachungskameras „live“ übertragen, Schritt für Schritt verfolgt werden. Die Bauherrin Olga Grigoriewa lobt: „Da ich selbst Auditorin bin, war es für mich besonders wichtig, dass Bavaria-Bau sogar eine unabhängige Qualitätskontrolle der Arbeiten hinzuzieht.“
Von der Qualität der Veka-Fenster schließlich konnte sie sich überzeugen, als sie an einer auswärtigen Sitzung des Komitees Corporate Communications der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer teilnahm, die im Veka-Werk im Juli 2024 im Moskauer Umland stattfand. „Dank der Kammer haben sich für mich viele großartige Puzzleteile beim Bau meines Hauses zusammengefügt“, sagt Grigoriewa, „und der Bau eines Hauses ist ein wichtiger Schritt im Leben eines jeden Menschen.“
Der Auf- und Ausbau der Zusammenarbeit von Bavaria-Bau und Veka, von Wladimir Eberhardt und Dr. Sergej Jelnikow: ein Paradebeispiel für die Initiativleistung und Integrationsfähigkeit der Kammer, folgerichtig aufgrund ihres Versprechens: „Für die Wirtschaft. In Russland vor Ort.“