Fast alle deutschen im Russlandgeschäft aktiven Unternehmen halten am russischen Markt fest. Dies geht aus der Ende Mai abgeschlossenen Geschäftsklima-Umfrage der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer unter ihren 750 Mitgliedern hervor. Lediglich vier Unternehmen planen den Rückzug aus Russland.
Trotz Sanktionen und russischer Gegenmaßnamen schätzen 57% deutscher Unternehmen in Russland die Bedeutung des Landes als „unverändert“ ein. 22% gehen von einer wachsenden Bedeutung Russlands für ihr Unternehmen aus. Für 21% verliert Russland langfristig an Bedeutung. 37 % rechnen damit, dass „zahlreiche“ Firmen, die Russland verlassen haben, zurückkehren, 57 % mit „wenigen“ Rückkehrern.
Zufrieden mit Firmenentwicklung trotz schwacher Konjunktur
75% der deutschen Unternehmen gaben an, mit der Entwicklung ihres Russlandgeschäfts zufrieden zu sein – trotz Millioneneinbußen durch die Sanktionen. Zwei Drittel der Befragten sind überzeugt, dass die westlichen Sanktionen der russischen Wirtschaft stark (49%) oder sehr stark (18%) geschadet haben.
Das Geschäftsklima in Russland und die Erwartungen der deutschen Unternehmen haben sich aus Sicht der Unternehmen 2026 spürbar eingetrübt. Aus Sicht von mehr als zwei Dritteln der deutschen Unternehmen (72%) hat sich das Geschäftsklima in Russland 2026 verschlechtert. Für 23% hat sich nichts geändert. Dennoch planen lediglich 23% Entlassungen, 14% zusätzliche Einstellungen, 63% lassen die Zahl ihrer Beschäftigten unverändert.
Deutsche Firmen für russische Energieimporte nach Deutschland
Vor allem die EU-Sanktionen gegen Russland bereiten den Unternehmen Sorgen. Mehr als ein Drittel der Unternehmen ist der Ansicht, dass die westlichen Sanktionen Deutschland mehr schaden als Russland. Gut die Hälfte gab an, dass sie Deutschland und Russland gleichermaßen schaden. Knapp zwei Drittel der befragten Unternehmen (57%) rechnen mit weiteren Sanktionen.
Auf die Frage „Sollte Deutschland wieder Gas und Öl aus Russland beziehen?“ antworteten 65% deutscher Unternehmen mit „ja, je eher, desto besser“ und 31% mit „ja, aber erst, nachdem die Waffen in der Ukraine schweigen“.
Deutsch-Russischer Business-Dialog auf dem SPIEF
Der Vorstandsvorsitzende der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer Matthias Schepp moderiert auf dem St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforums (SPIEF) die Diskussion „Russland – Deutschland“, den ersten deutsch-russischen Business-Dialog seit Jahren. „Wir wollen den Markt hier nicht den chinesischen und anderen asiatischen Unternehmen überlassen“, sagt Schepp.
An der Geschäftsklima-Umfrage hat sich einу Rekordzahl von insgesamt 265 Kammer-Mitgliedsunternehmen beteiligt, davon 167 Firmen mit mehrheitlich deutschem Kapital, 23 aus der Schweiz und Österreich sowie 6 aus anderen EU-Staaten.
Die vollständige Auswertung der Geschäftsklima-Umfrage finden Sie hier (PDF).