Es geht um die Wurst: stabile Produktion, steigende Exporte

Das Produktionsvolumen von Wurstwaren in Russland liegt seit Jahren auf etwa einem Niveau und dürfte im vergangenen Jahr über 2,5 Mio. Tonnen betragen haben, geht aus Zahlen des russischen Instituts für die Konjunktur der Landwirtschaft (IKAR) hervor. Das Statistikkomitee der GUS-Mitglieder weist ein stabiles Wachstum der Wurstproduktion für die vergangenen Jahre aus. Die Herstellungsmenge stieg von 2,48 Mio. Tonnen im Jahr 2023 auf 2,52 Mio. Tonnen im Jahr 2024. Der größte Anteil an der Wurstherstellung entfiel auf Brühwürste mit 67%, gefolgt von getrockneten oder geräucherten Rohwürsten (29%) sowie Kochwürsten wie etwa Leber- und Blutwurst (4%).

Die größten Wursthersteller befinden sich in Zentralrussland: Das Gebiet Wladimir steuerte im ersten Halbjahr 2025 mehr als 170.000 Tonnen zu russlandweit insgesamt 1,2 Mio. Tonnen bei. Moskau produzierte 152.000 Tonnen Wurst und das Moskauer Gebiet rund 135.000 Tonnen. Diese Region war 2024 für fast 50% der in Russland hergestellten Würste verantwortlich.

Zu den wichtigsten Wurststellern gehören das Mikojanowski Fleischkombinat, das Tsaritsyno Fleischkombinat sowie das Ostankinsky Fleischverarbeitungskombinat – alle drei mit Produktionsstätten in Moskau. Hinzu kommen der größte Fleischproduzent Russlands Tscherkisowo mit Produktionsstätten in 14 Regionen Russlands, das Veliki Luk Fleischkombinat im Gebiet Pskow an der Grenze zum Baltikum und Starodworskije Kolbasy im Gebiet Wladimir.

Fleisch-Warenkorb

Das russische Marktforschungsunternehmen ICMR hat im vergangenen September den Warenkorb von mehr als 20.000 Haushalten untersucht. Der Fleisch-Warenkorb setzte sich nach Menge aus folgenden Produkten zusammen: Geflügel (35%), Schweinefleisch (20%), Wurst (16%), Würstchen (9%), Rindfleisch (6%) sowie 14% weitere Fleischsorten- und Delikatessen.

2025 betrug der Durchschnittspreis von Wurstwaren 468 Rubel, umgerechnet 5 Euro pro Kilogramm. Zu den beliebtesten Wurstmarken gehörten Wjasanka, Klinski, Dymow, Mjasnow, Mikojan, Tscherkisowo und Ostankino. Im Schnitt kaufen russische Verbraucher 19 Marken unterschiedlicher Fleischhersteller pro Jahr, zeigt die ICMR-Analyse.

Deutschland ist bekannt für seine Vielfalt an Wurstsorten. Insgesamt können deutsche Verbraucher aus mehr als 1500 Sorten wählen. Die Deutschen essen 30 Kilogramm Wurst und Schinken pro Jahr, ein internationaler Spitzenwert. Gleichzeitig ist der durchschnittliche Fleischkonsum in der Bundesrepublik seit Jahren rückläufig. 2024 betrug der Pro-Kopf-Verbrauch 53,2 Kilogramm gegenüber 83 Kilogramm in Russland. In Russland demgegenüber steigt der Wurstkonsum. Zu Beginn der 2000er Jahre lag der russische Pro-Kopf-Verbrauch noch bei rund 50 Kilogramm. Der weltweite Durchschnitt beträgt 42 Kilogramm pro Kopf.

Steigende Wurstpreise

Das Jahr 2025 stand für die russischen Fleischproduzenten im Zeichen steigender Rohstoffpreise. Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Points:Lab stiegen die Preise für Geflügel im Jahresverlauf um 8%, Schweinefleisch um 12% bis 15% und Rindfleisch um 10% bis 14%. Branchenexperten zufolge wirkt sich auch die geringste Veränderung bei den Herstellungskosten sofort auf den Endpreis von Fleischprodukten aus.

Die russische Wurstbranche entwickelt sich laut Marktkennern nach dem allgemeinen Schema für die gesamte Lebensmittelwirtschaft Russlands. Moderate Preisanstiege seien der neue Standard, der die tatsächlichen, von der Inflation getriebenen Produktionskosten wiedergebe, erklärt Ilja Wolkow, Geschäftsführer von Points:Lab. Preisschocks werde es nicht geben, aber die Teuerungstendenz bleibe erhalten, ergänzt er.

Immer exportorientierter

Heute versorgt sich Russland zum größten Teil selbst mit Wurstwaren. Allerdings erschweren westliche Sanktionsbeschränkungen die Einfuhr wichtiger Herstellungskomponenten wie Gewürze, Wursthüllen, Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker. Bis 2022 importierte Russland Wursthüllen vor allem aus Deutschland und Belgien. Anfang 2023 war die Branche dann mit Engpässen konfrontiert, als Wursthüllen aus China mit bis zu zehn Monaten Verzögerung nach Russland geliefert wurden. Mittlerweise setzt die Branche verstärkt auf einheimische Hersteller.

Angesichts der stabilen Eigenproduktion exportiert Russland immer mehr Wurst- und Fleischwaren ins Ausland. Nach Angaben der Exportbehörde Agroexport stiegen die Ausfuhren zwischen Januar und August 2025 nach Menge um 7% und nach Wert um 19%. In den ersten acht Monaten des vergangenen Jahres exportierte Russland mehr als 56.000 Tonnen Wurstwaren und Fertigfleischprodukte im Wert von 170 Mio. US-Dollar. Die größten Abnehmerländer waren Kasachstan mit einem Anteil von 49% am Gesamterlös. Auf Platz zwei und drei rangieren Belarus (14%) und Saudi-Arabien (9%). Im vergangenen Jahr erschloss Russland auch zwei neue Länder als Absatzmärkte in Afrika. So gingen die ersten Fleischlieferungen nach Nigeria und Mosambik.

Nach Angaben des Fachmagazins Mjasnoj Rjad hat es Russland noch nicht in die Top zehn der größten Wurstexporteure der Welt geschafft. 2024 belegte Russland den zwölften Platz und lieferte insgesamt 46.200 Tonnen ins Ausland. Der mit Abstand größte Wurstexporteur der Welt ist Deutschland mit 163.100 Tonnen, was Russlands Exportbilanz um 253% übersteigt. Dahinter folgen die USA (159.200 Tonnen), Brasilien (146.000 Tonnen), Polen (136.000 Tonnen) und Italien (105.300 Tonnen). / 

Quellen: Mjasnoj Rjad, Foodmarket, Agromix, Agrobook, Piginfo, ID-Marketing, Svoefermerstvo, Gazeta.ru, Forbes, Agrotime (alle RU), Rewe

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