Neue Unternehmen in Russland entscheiden sich zunehmend dafür, das Wort „Russland“ oder davon abgeleitete Formen in ihren Firmennamen aufzunehmen. Darauf deutet eine Auswertung von Daten des Föderalen Steuerdiensts durch die Tageszeitung Izvestia hin. Bei der Registrierung eines solchen Firmennamens kann eine Gebühr in Höhe von 80.000 Rubel (872 Euro) anfallen, erklärt das Blatt. Die Einnahmen aus diesem Posten beliefen sich im vergangenen Jahr auf insgesamt 1,5 Mio. Rubel (16.300 Euro), was einen Anstieg gegenüber 2024 um 50% bedeutete.
Die Registrierung ist nur gebührenpflichtig, wenn eine Sondererlaubnis des Justizministeriums nötig ist. Das ist zum Beispiel bei Staatsunternehmen und regionalen Gliederungen von föderalen Organisationen nicht der Fall. Laut der Unternehmensdatenbank STAR wurden im vergangenen Jahr mehr als 300 juristische Personen mit „Russland“ oder abgeleiteten Formen wie „Ros“ oder „Rus“ registriert. Eine Vergleichszahl aus früheren Jahren führt Izvestia nicht an.
Experten vermuten mehrere Gründe für den festgestellten Trend, darunter die forcierte Importsubstitution und die in jüngster Zeit zunehmende Verstaatlichung von Unternehmen, darunter auch einige ausländische, wie die Chefanalystin des Brokers Freedom Finance Global Natalja Miltschakowa betont. Wegen der Wirtschaftsflaute hätten auch viele Privatunternehmen Kontrollanteile an den Staat verkauft. Neben der finanziellen Spritze erhielten sie damit auch die Möglichkeit, „Russland“ in ihren Namen aufzunehmen. Eine Voraussetzung dafür ist eine Staatsbeteiligung von mindestens 25%, erklärt die Expertin. Zudem müssen die Unternehmen den Status eines Großsteuerzahlers innehaben und in mindestens der Hälfte der russischen Regionen mit Filialen vertreten sein. / Izvestia (RU)