Kraftakt und Befreiungsschlag

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Die Filiale Nordwest der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer in St. Petersburg bekommt im Mai ein neues Zuhause – ihr eigenes. Mit dem Kauf einer Immobilie setzt die Kammer ein Signal, dass die deutsche Wirtschaft am russischen Markt festhält. Mitgliedsfirmen können Büros und Coworking-Arbeitsplätze anmieten.

Frank Ebbecke

Ein heller Morgen im Mai 2024 zur noch stillen Stunde, es ist nicht mal acht. Gelassen und entspannt schlendert er an einem der vielen pittoresken Kanäle in St. Petersburg entlang, unweit des damaligen Kammer-Büros in der Gorochowaja Straße. Doch im krassen Gegensatz zum äußeren Eindruck brodelt, rumort, kreiselt es heftigst im Kopf des Matthias Schepp, seit stolzen zehn Jahren Vorstandsvorsitzender der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer. Wie ‚zum Teufel‘ lässt sich bei all den unaufhaltsam Störfeuern der vergangenen Jahre die schon über drei Jahrzehnte so erfolgreich gewachsene Auslandshandelskammer finanziell stabilisieren und für die Zukunft sinnvoll und solide verankern?

Da beschleicht ihn lebhaft die Erinnerung an den genial gelungenen Kauf-Coup von ‚Filigrad‘ in Moskau, seit sieben Jahren das zentrale Vorzeigezentrum des Wirtschaftsverbandes – nach Jahrzehnten stetig ansteigender Mietkosten endlich eine sinnvolle Kapitalanlage zum langfristig gesicherten Eigentum, die sich rechnet. Ein Stabilitätsanker. Und perfekt zum Vermieten mit vielen Vorteilen für Mitgliedsfirmen, im engen Kontakt mit dem eingespielt-verschworenen Mitarbeiterteam.

So nah konnte man der Kammer noch nie kommen, aber Nähe zählt und zahlt sich aus. Warum nicht gerade jetzt ausholen zum Befreiungsschlag hierorts, zumal der Finanzfluss von öffentlichen Zuschüssen aus Berlin inzwischen total versickert ist? Wenn erzwungene Vorhaben und Träume nicht auch ein bisschen beängstigend sind, sind sie eben nicht groß genug. Nie aufgeben, unter welchen unabänderlichen Umfeldsituationen auch immer – das ist Schepp von Kindesbeinen an anerzogen worden. Das umfassende Kaleidoskop der Kammer von so vielfältigen wie unterstützenden Lobbyaktivitäten, Networking-Initiativen, Fachtagungen, Seminaren und Services ist eine elementare Verpflichtung. Es geht um ‚Gestalten statt Verwalten‘ für die aktuell immer noch mehr als 750 Mitglieder mit wieder steigernder Tendenz, davon mehr als 100 in St. Petersburg und Russlands Nordwesten.

Nicht ausschweifende Überredungsarabesken, eher Matthias Schepps wohlreflektiertes, wohltemperiertes Überzeugungstalent für ehrliche Realitäten und zündende Ideen haben dann in schneller Folge seine Mitstreiter Elena Bolschakowa, Kammer-CFO und Geschäftsführerin der Kammer-Tochter Kammer-Services OOO, den Kammer-Geschäftsführer Ruslan Kokarew und die 14 Mitglieder des Vorstandes der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer überzeugt. „Der Bürokauf ist ein weiterer mutiger, aber sorgfältig kalkulierter Schritt zur finanziellen Unabhängigkeit der Kammer“, sagt Elena Bolschakowa, „der Kauf ist zudem ein Signal, dass die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer fest an der Seite ihrer Mitgliedsunternehmen steht und sich für die Interessen ihrer Mitglieder in Moskau und Berlin einsetzt. Krisenzeiten sind Kammerzeiten!“

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Schließlich wurde dann der Perspektivkauf auf der Mitgliederversammlung der Kammer im März 2025 angekündigt und fand große Zustimmung. In St. Petersburg machte sich Anastasia Worobeykowa, neun Jahre in der nordwestlichen Zweigstelle und seit drei Jahren deren Direktorin, mit ihrem Team auf die Suche nach einem geeigneten Kaufobjekt. Im touristisch oft so überschwemmten Kernbereich der weltberühmten Zarenstadt fielen historisch attraktiv restaurierte Gebäude gleich weg, da sich der sachbezogene Wunsch nach individuellen Bürolayouts auch im Inneren durch Denkmalschutzauflagen der Stadt als strikt limitiert erwies, die Risiken der alten Bausubstanz zu groß erschienen und die Kammer Wert auf ein modernes Image legt. „21. Jahrhundert, nicht 19. Jahrhundert“, erklärt der Vorstandsvorsitzende Matthias Schepp.

Im Juli 2025, etwas mehr als ein Jahr nach Schepps denkwürdiger, mentaler Morgen-Fitnessübung am Kanal, war der Bürokauf einer Fläche von 453 Quadratmetern auf der 8. Etage im 2023 hochgezogenen Business Center der Güteklasse A, das ‚Akvilon Links‘, in der ul. Parfenowskaya 12 perfekt. Benannt nach der Bauentwicklungsfirma aus Archangelsk, die nun selbst im Gebäude drei ganze Stockwerke bezogen hat, Etagen-Nachbar der Kammer ist ein lokales IT-Unternehmen – kein schlechter operationaler Zufall. Die Entscheidung des Kammer-Managements fiel schnell auf diese bevorzugte Lage im Stadtbezirk Admiraltejskij, einem großzügig, grundlegend neu konzipierten Distrikt mit Ursprüngen aus dem vorletzten Jahrhundert mit einem schon stadtbekannten und renommierten Ensemble von architektonisch hochansehentlicher, qualitativ hochwertig wirkender Gewerbeimmobilien und Wohnhäusern. Mit alltagstauglicher und erlebnisnaher Infrastruktur wie dem aufwendig restaurierten ‚Voksal 1853‘, mit 90 Restaurants gelobt als Europas größte, facettenreiche Foodmall und zahllosen Einkaufsmöglichkeiten, mittendrin. Unschätzbaren Vorteil bieten die günstigsten Verkehrsverbindungen: Newsky Prospekt/Moskauer Bahnhof und Flughafen ‚Pulkovo‘ nur 15 – 20 Minuten mit dem Taxi, gleich drei U-Bahn-Stationen fußläufig in leicht über 10 Minuten, Bushaltestelle vor der Tür, reichlich Parkmöglichkeiten. Die Planung der individuellen Innenarchitektur und Einrichtung nahm ihren Anfang, ausgeklügelte Entwürfe und Beschreibungen vermitteln über die effektive Funktionalität hinaus einen so modern-eleganten wie anheimelnd-wohligen Eindruck. Schließlich verschlingen die Aktivphasen arbeitender Menschen den größten Teil von Lebenszeit, die räumlichen und umgebenden Rahmenbedingungen schaffen da eine entsprechend förderliche, angenehme Atmosphäre.

Strahlend blauer Himmel, noch verzagte Wintersonnenstrahlen an diesem letzten Tag im Februar – gute Vorboten für eine erste persönliche Erkundungsvisite. Das ‚Akvilon Links‘ ist kaum zu verpassen: ein aus- und einladendes Großgebäude, dessen Fassadengestaltung durch eine geschickte architektonische Kombination von modernen und historischen Elementen aus seiner Nachbarschaft heraussticht – großzügige, lichte Fensterflächen, unterbrochen von steinernen Profilkanten, Kapitelen und Erkern in traditionell abwechselnder gelblich-beiger und matt-weißer Farbgebung. Die stilvoll-edel gestaltete Eingangslobby mit schnörkellosen Flächen in Schwarz bis Hellgrau eröffnet ein einladendes Entrée-Gefühl. Höflich-freundlich die Begrüßung der beiden Rezeptionsdamen, die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer hoch oben ist schon wohlbekannt, der Besuch avisiert, einer der vier Aufzüge rasch geortet. Bin gespannt.

Noch ist es noch nicht soweit – Stolpern über zwischengelagerte Einbaumaterialien, Kabelsalat, Restmüllberge, Schlängeln zwischen geschäftig herumschwirrenden Arbeitern. Die energiegeladene Kammer-Direktorin Anastasia teilt temporär ihren Arbeitsplatz aus einer simplen Holzplatte auf Holzblöcken mit einem der Innenarchitekten im geregelten Chaos einer Baustelle. Die Grundrisse der Raumaufteilung, die ergonomisch perfekte, modern-hochwertige Einrichtung und Möblierung sind schon überzeugend auszumachen. Wie es dann konkret und attraktiv, planmäßig in nur zwei Monaten wirken und vor allem funktionieren soll, verdeutlichen exakte Bauzeichnungen und digitalisierte, detailliert-realistisch anmutende Ansichten. Charakteristisch der generell lichtdurchflutete, transparente, positivierende erste Eindruck der neuen Kammer-Residenz und der durch gläserne Trennwände getrennten neun komplett eingerichteten, separaten Büros, des Co-Working-Bereichs für elf repräsentable Arbeitsplätze, die kombinierbaren, teilweise schallisolierten Besprechungsräume, die Gemeinschaftsbereiche wie Küche, Archiv, Serverraum, Eingangsbereich, der alle vertretenen Firmen mit ihrem Markenlogo ausweist. Modernste Technologie für Veranstaltungen im Mischformat, IT-Support sind nötig und selbstverständlich, klimatisierte Räume mit möglicher Fensteröffnung, eine Relaxzone und unbegrenzt Kaffee, Tee, Wasser für zwischendurch sind zusätzliche Annehmlichkeiten.

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Aber nicht nur das aktivierende Ambiente, sondern die Nähe zählt und macht sich bezahlt; denn die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer, das Herz der deutschen Wirtschaft in Russland, allein mit ihrer bewiesenen Lobbystärke, ihren etablierten Regierungskontakten, ihrem Networking-Potenzial sieht keinen als bloßen Mieter, sondern als Partner – beidseitig wertschöpfend. Uniper, ein führender europäischer Energiekonzern mit Hauptsitz in Düsseldorf, hat sich schon entschieden und wird hier gleich mit einziehen. An den so arbeits- wie lebensqualitätsfördernden, den so funktionell-nachhaltigen Aus- und Einbauten der großzügigen neuen Wirkungsstätte sind selbstredend auch Kammer-Mitgliedsfirmen physisch aktiv beteiligt: die in Russland gegründete BauTex mit ihren innovativen Fiberglas-Produkten, die Firma Egger aus St. Johann im österreichischen Tirol mit holzbasierten Panelen, das global tätige Familienunternehmen Knauf aus dem deutschen Iphofen, Kühlschränke von Liebherr, Meffert aus Bad Kreuznach, der Premium-Spezialist für Farben, Lacke und Beschichtungen.

Sichern Sie sich jetzt Ihren Arbeitsplatz in St. Petersburg in unmittelbarer Nähe zur Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer. Bei Fragen zu den Mietoptionen steht Ihnen Anastasia Worobejkowa, Direktorin Filiale Nordwest, zur Verfügung: worobeykowa@kammer.ru. Mehr über das neue Büro in unserer Präsentation.

Auf zwei eigenen Beinen steht sich’s besser – in Moskau und jetzt auch in St. Petersburg. „Es wird nicht leicht, Kauf und Innenausbau zu finanzieren“, sagt Schepp, „aber mithilfe unserer Mitgliedsfirmen werden wir es schaffen.“ Kammervorstand und Schepp setzen darauf, dass die Ersparnis durch den Wegfall der Büromiete und die Einnahmen durch die Vermietung von Büros und Coworking-Arbeitsplätzen Jahr für Jahr und im Großen und Ganzen die Kammer-Mannschaft in St. Petersburg und deren Arbeit zum Wohl der Unternehmen finanziert. Dieser finanzielle Befreiungsschlag ist umso wichtiger, als der Geldzufluss aus Berlin schon im vergangenen Jahr komplett versiegt ist.

Den Kopf hängen zu lassen, ist nicht Schepps Ding. Mit dem Durchhaltevermögen der Kammer verbindet er eine Mission und Vision. „Die Entscheidung, eine Immobilie in St. Petersburg zu kaufen, zeigt, dass die deutsche Wirtschaft in Russland einmal mehr ihre Funktion als Brücke zwischen Deutschland und Russland auch und gerade unter schwierigen Bedingungen erfüllt“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer. „Die Wirtschaftsbeziehungen beider Länder reichen bis zur mittelalterlichen Hanse zurück, haben zwei Weltkriege überstanden und werden einen Beitrag zur Wiederherstellung des Friedens in Europa leisten.“


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