Medienecho auf Kammer-Nahost-Berechnungen

Die Modellrechnungen der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer zu den zusätzlichen Erlösen für Russland und zusätzlichen Kosten für Deutschland durch die Blockade der Straße von Hormus und die explodierenden Preise für ÖlGas und Dünger haben sowohl in Deutschland als auch in Russland ein breites Medienecho ausgelöst. Die Blockade der Straße von Hormus, der zentralen Exportroute für Rohstoffe aus der Golfregion, beschert Russland einen „unverhofften Geldsegen in historischem Ausmaß“, kommentierte der Vorstandsvorsitzende Matthias Schepp die Zahlen gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Monatlich würden dadurch mehr als 10 Mrd. Euro in die russische Staatskasse fließen. „Russland ist damit der große Gewinner des neuen Krieges im Nahen Osten“, so sein Fazit.

Aktuell sind 59 Dollar je Barrel im russischen Haushalt zugrunde gelegt – ein Wert, den der Markt zuletzt deutlich überschritten hat. Beim aktuellen Preisniveau könne Moskau allein aus Öl und Gas rund 50 Mrd. Dollar Mehreinnahmen pro Jahr generieren, so die Kammer. Vor dem Ausbruch des Konflikts wies der russische Haushalt wegen eines unter dem Planwert liegenden Ölpreises noch ein Defizit aus. Hinzu kämen höhere Düngererlöse: In einem mittleren Szenario seien bis zu 8,9 Mrd. Euro zusätzlich möglich.

In Deutschland griffen unter anderem HandelsblattFAZZDFARDTagesspiegel und Wirtschaftswoche die Kammer-Analyse auf. Kurz darauf zogen auch russische Medien wie RBCIzvestia und RIA NowostiKomsomolskaja Prawda und Lenta.ru nach. „Russland gewinnt Milliarden durch Hormus-Blockade“, betitelte etwa das Handelsblatt seinen Artikel. „Hormus-Blockade spült Milliarden in Russlands Kassen“, schrieb der ZDF. Das Nachrichtenportal The Pioneer des einflussreichen Medienunternehmers Gabor Steingart fasste die Stellungnahme der Kammer prägnant zusammen: Aus einem geopolitischen Risiko werde für Russland ein „fiskalischer Vorteil“. Während westliche Volkswirtschaften unter Inflation litten, stabilisierten steigende Energieeinnahmen genau jene Staatsfinanzen in Russland, die durch westliche Sanktionen unter Druck stehen, heißt es im Pioneer-Beitrag.

Im Gegensatz zu Russland müsse Deutschland als Folge der Hormus-Blockade Verluste einstecken, errechnete die Kammer. So drohten deutschen Landwirtschaftsbetrieben Mehrkosten pro Hektar Ackerland von 36 bis 145 Euro jährlich. „Zusammen mit den Gas-Mehrkosten droht der deutschen Industrie ein Kostenschock, der die erhoffte wirtschaftliche Erholung 2026 zunichtemacht“, zitiert das ZDF Thomas Baier, Energieexperte der Deutsch-Russischen-Auslandshandelskammer und Moderator des Kammer-Podcasts „Zaren. Daten. Fakten“.

In russischen Medien herrschte unterdessen Uneinigkeit darüber, wie das Wort „Gewinner“ in diesem Kontext zu übersetzen ist. Während viele Redaktionen „Gewinner“ als „pobeditel“ (dt. Sieger) ins Russische übertrugen, entschieden sich andere wie die Nachrichtenagentur RIA Nowosti und Komsomolskaja Prawda für das sachlichere „wygodopriobretatel“ oder „benefiziar“, was dem deutschen „Profiteur“ näherkommt und der Einschätzung der Kammer wohl am ehesten gerecht wird.

16.04.2026

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