
Angesichts der lahmenden Wirtschaft gibt es sowohl in Russland als auch in Deutschland Befürworter von längeren Arbeitszeiten. Die russische Diskussion hatte Oleg Deripaska angestoßen. Ende März bezeichnete der Milliardär einen Arbeitsrhythmus von zwölf Stunden Arbeit pro Tag und sechs Tage pro Woche als alternativlos, um die Wohlstandsverluste seit 2022 auszugleichen. Gewerkschaften und zahlreiche Politiker haben die Idee umgehend zurückgewiesen, es gab aber auch Zuspruch, etwa vom bekannten ehemaligen obersten Amtsarzt Gennadij Onischtschenko.
Im internationalen Vergleich arbeiten die Russen bereits deutlich mehr als insbesondere die Westeuropäer, wie die Grafik zeigt. Ihre Daten stammen von der Wirtschaftsdatenbank PWT. Die Statistikplattform Our World in Data bietet einen Vergleich dieser Daten nach Ländern und über mehrere Jahrzehnte hinweg. Dabei wird deutlich, dass die Arbeitszeit in Deutschland besonders stark gesunken ist. Der deutsche Rekord aus dem Jahr 1950 steht bei 2427 Stunden. Bis 2023 hat sich die durchschnittliche Arbeitszeit auf 1335 Stunden beinahe halbiert. Die Daten zu Russland reichen nur bis 1992 zurück, als der Wert laut PWT bei 2331 Stunden lag. 2023 waren es noch 2087 Stunden. China weist hingegen eine Steigerung von 2129 Stunden im Jahr 1952 auf 2328 Stunden auf. / Vedomosti (RU), Our World in Data (EN)