Reform statt Revolution

Soziologen der Russischen Akademie der Wissenschaften fragen alljährlich die Russen, was sie für ihr Land als wichtiger erachte: „Stabilität“ oder „grundlegende Veränderungen“. Tendenziell stimmten die Befragten in den vergangenen Jahrzehnten überwiegend für Stabilität (siehe Grafik). Die naheliegende Deutung, dass sie in Krisenzeiten besonders gefragt ist, wird durch die Resultate der eher ruhigen Jahre 2012 bis 2014 widerlegt, in denen die Antwort „Stabilität“ am häufigsten gegeben wurde. Die Krise ab 2014 führte dagegen zu einem Erstarken des Lagers der „Reformer“, erklärte einer der Macher der Studie, Roman Petuchow, Ende 2022 in einem Interview. Damals lagen ihm und seinen Kollegen Umfragedaten bis Frühjahr 2021 vor. Generell habe der Wunsch nach „Veränderung“ in Russland keinen „revolutionären Charakter“, meint Petuchow. Für Reformen plädierten ihm zufolge wirtschaftlich erfolgreiche Menschen, weil sie den Stillstand als eine Gefahr für ihren neuen Wohlstand begreifen würden. Mit dieser Theorie erklärt Petuchow z.B. den verstärkten Ruf nach Veränderungen ab 2009. Nach 2017 sei wiederum die schlechter werdende wirtschaftliche Lage mit ausschlaggebend gewesen, dass mehr Menschen für Veränderungen stimmten als für Stabilität. Dieser Trend sei durch die Pandemie gestoppt worden, so der Soziologe. Die Umfrageergebnisse für 2023 sind einem Artikel der Rossijskaja gazeta entnommen. / [Rossijskaja gazeta](https://rg.ru/2023/11/22/issledovanie-instituta-sociologii-ran-provedenie-specoperacii-porodilo-u-rossiian-oshchushchenie-prinadlezhnosti-k-edinomu-narodu.html), [News.ru](http://News.ru), [Vedomosti](https://www.vedomosti.ru/opinion/articles/2017/12/19/745708-rossiyane-peremen) (alle RU)

07.12.2023

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