Ein Passagierflugzeug besteht zu 80% aus Aluminium. Aluminium ist in der Automobil- und Schiffbauindustrie, der Verteidigungs- und Raumfahrtindustrie, der Elektronikbranche, im Bauwesen und der Konsumgüterindustrie gefragt. Für den Bau eines 3-Megawatt-Windparks an Land werden 3 bis 6 Tonnen Aluminium benötigt. Vor der Erfindung des Hall-Heroult-Elektrolyseverfahrens im Jahr 1886 war das Metall sogar teurer als Gold.
Branchenprobleme in Russland und Zukunftsaussichten
Die russische Industrie verbraucht etwa ein Viertel der Primäraluminiumproduktion des Landes. Insgesamt 25% des russischen Aluminiums werden im Bauwesen, 20% in der Behälter- und Verpackungsherstellung, 18% in der Elektrotechnik und 16% im Verkehrstechniksektor verwendet. Der Verbrauch blieb von 2013 bis 2020 stabil und stieg nach Aufhebung der Covid-Beschränkungen um 14%. Im Jahr 2022 ging er aufgrund von Sanktionen zurück, erholte sich aber bis 2026 wieder um 20%. Die Industrie konnte den Verbrauch auf dem Niveau von 1,4 Mio. Tonnen aus dem Jahr 2024 halten.

Laut dem russischen Aluminiumverband, der 140 Unternehmen aus allen Bereichen der Aluminiumindustrie vereint, liegen die Hauptprobleme der Branche in der Verschlechterung eines erheblichen Teils ihrer Kapazitäten und des Stromnetzes, einem instabilen Vertriebssystem, sinkender Nachfrage, mangelhaftem Informationsaustausch, hohen Kosten und folglich sinkender Wettbewerbsfähigkeit. Infolgedessen werden keine neuen Produktlinien entwickelt und große branchenübergreifende Projekte verzögern sich, insbesondere im Flugzeug- und Schiffbau.
Vieles hängt sowohl von der stabilen Produktion traditioneller Rohstoffe als auch von der Entwicklung neuer Technologien zur Aluminiumoxidgewinnung aus Kaolin und Synnyrit ab, ebenso wie von der Erschließung neuer Lagerstätten und dem Ausbau der Produktionskapazitäten.
Der russische Aluminiumverband hofft auf eine weitere Senkung des Leitzinses und die Lokalisierung neuer Arten hochtechnologischer Produkte aus Aluminiumlegierungen. Zum Schlüsselfaktor für die Branche wird die Binnennachfrage, die von der Importsubstitution insbesondere im Fertigwarensegment, von erfolgreichen Maßnahmen gegen Produktfälschungen und von der Entwicklung des heimischen Marktes in den Bereichen Bauwesen, Transport, Energie und Konsumgüter abhängt.
Rusal dominiert
Die Rusal Holding ist heute der einzige Primäraluminiumproduzent Russlands und nach China und Indien der drittgrößte weltweit. Im Jahr 2025 trug das Unternehmen 5,3% zur globalen Metallproduktion und 4,7% zur Aluminiumoxidproduktion bei. Aluminiumoxid wird zur Herstellung von Primäraluminium benötigt. Aluminiumoxid wird seinerseits aus dem Aluminium-Erz Bauxit gewonnen. „Primär“ bedeutet, dass dieses Aluminium direkt aus dem Rohstoff, also erstmals rein hergestellt worden ist.
Rusal produzierte 3,9 Mio. Tonnen Aluminium, 1,9 Mio. Tonnen weniger als 2024, und darüber hinaus 6,9 Mio. Tonnen Aluminiumoxid und verkaufte 4,5 Mio. Tonnen Primärmetall und Legierungen, einschließlich alter Lagerbestände. Die Investitionsausgaben von Rusal stiegen im vergangenen Jahr um 8,1% auf 1,47 Mrd. US-Dollar.
Mehr als 56,8% der Aktien von Rusal befinden sich im Besitz von En+, wobei der Großunternehmer Oleg Deripaska 35% und SUAL Partners 22,25% der Stimmrechte halten. Rusal betreibt 45 Unternehmen in 13 Ländern. Dazu zählen Aluminiumhütten in Russland, Deutschland (Aluminum Rheinfelden Alloys, Semis und Aluminium Rheinfelden Carbon), Schweden und Nigeria sowie Aluminiumoxidwerke in Russland, Irland, China, Indien, Italien und Jamaika. Dazu kommen Bauxitminen in Russland, Guinea und Guyana sowie Produktionsstätten für Fertigprodukte in Russland, Armenien und Kasachstan und außerdem das Wasserkraftwerk Bogutschanskaja in Russland.

Momentan profitiert Rusal von den steigenden globalen Aluminiumpreisen. Allerdings waren die Jahre 2025 und das erste Quartal 2026 unrentabel. Dies lag an gestiegenen Rohstoff- und Logistikkosten, Veränderungen in den Vertriebsketten und dem stärkeren Rubel. Unter den derzeit günstigen wirtschaftlichen Bedingungen arbeitet Rusal jedoch bereits mit einer Gewinnmarge von 20% und wird laut Analysten seine Ergebnisse in diesem Jahr weiter verbessern.
Die erwartete Rubel-Schwäche sowie der Ausbau der eigenen Aluminiumoxid-Kapazitäten von Rusal werden sich ebenfalls positiv auswirken. Nachdem Rusal den Zugang zur Mykolajiw-Hütte in der Ukraine verloren und sich von einer 20-prozentigen Beteiligung an Queensland Alumina in Australien getrennt hatte, erwarb das Unternehmen 2022 eine 30-prozentige Beteiligung an Hebei Wenfeng New Materials in China und eine 26-prozentige Beteiligung an Pioneer Aluminum Industries Limited (PAIL) in Indien. Rusal plant, die Beteiligung an PAIL auf 50% zu erhöhen.
Nach Schätzungen von Veles Capital, einer der ältesten russischen Private-Equity-Gesellschaften, werden diese Transaktionen Rusal im Jahr 2027 die Produktion von rund 7,7 Mio. Tonnen Aluminiumoxid ermöglichen und damit vor dem Hintergrund der angekündigten Reduzierung der Aluminiumproduktion auf etwa 3,7 Mio. Tonnen den Bedarf an diesem Rohstoff decken. Sollten die Aluminiumhütten von Rusal jedoch mit voller Kapazität (4,2 Mio. Tonnen pro Jahr) arbeiten, würde der Bedarf an Aluminiumoxid auf 8,8 Mio. Tonnen pro Jahr steigen. Daher ist der Erwerb weiterer Rohstoff-Assets durch Rusal nicht ausgeschlossen.
Trotz der hohen Preise muss Rusal beim Metallverkauf nach Asien Abschläge hinnehmen. Ein Teil des Gewinns wird zudem durch die hohen und weiter steigenden Preise für Aluminiumoxid aufgezehrt, von dem Rusal 75% zukaufen muss. Die Preise für Rohstoffe wie Petrolkoks in Russland sind an die Weltmarktpreise gekoppelt, und Rusal kauft sie aufgrund der steigenden Ölpreise weltweit teuer ein. Die ökologische Modernisierung der größten Werke in Krasnojarsk und Bratsk wird teilweise durch teure Kredite finanziert. Ein erheblicher Teil der Gewinnspanne geht durch den hohen Leitzins der Zentralbank und den starken Rubel verloren.
Alternative Abnehmer: Japan und Südkorea
Japan, das vor dem Nahostkonflikt lediglich 68.000 Tonnen Aluminium aus Russland importierte (verglichen mit 143.000 Tonnen aus China und 400.000 Tonnen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten), bietet derzeit die höchsten Prämien seit elf Jahren – 350–353 US-Dollar pro Tonne. Die Nachfrage auf dem chinesischen Markt hat nachgelassen, und die Chinesen sind nicht bereit, Preise auf dem japanischen Versicherungs- und Prämienniveau zu zahlen, da heimisches Aluminium günstiger verfügbar ist und die Lager der Shanghaier Börse aufgrund der schwachen Nachfrage überfüllt sind. In Verbindung mit der allgemeinen Knappheit und den steigenden Preisen in den USA und Europa ist es laut der Nachrichtenagentur Reuters für Rusal rentabler, einen Teil seiner Lieferungen nach Japan und Südkorea umzuleiten.
Russische Analysten erwarten jedoch keinen signifikanten Anstieg der Liefermengen, da Asien seit 2022 ohnehin Rusals wichtigste Absatzregion ist. Zusätzliche Lieferungen nach Südkorea und Japan werden die Aluminiumprämie nicht erhöhen. „Um die Lieferungen auf Premiummärkte zu steigern, muss der EU-Markt geöffnet werden“, so die Einschätzung der russischen Finanzgruppe „BKS Mir Investizij“.
Der europäische Markt ist offiziell nicht zugänglich, doch die Exporte nach Europa laufen weiterhin über indirekte Wege, insbesondere über die Türkei. Das russische Aluminium wird dort eingeschmolzen und neu etikettiert, was es nur noch am günstigeren Preis erkennbar macht. Der weltweite Aluminiummarkt steht zudem unter Druck durch US-Zölle in Höhe von 200%, die vor allem russische und chinesische Aluminiumprodukte sowie türkische Produkte betreffen, die auch nur geringe Mengen an Primäraluminium aus Russland enthalten.
Erstes russisches Metall, Bandenkriege, Konsolidierung
Das erste Aluminium in der UdSSR wurde am 14. Mai 1932 im Wolchow-Werk in der Region Leningrad hergestellt. Ein Jahr später nahm das Dneprowskij-Werk in der Ukraine die Produktion auf. Vor dem Krieg wurden zwei weitere Werke in Betrieb genommen: die Aluminiumhütte Tichwin (Boksitogorsk) mit einer Kapazität von 40.000 Tonnen pro Jahr und das Ural-Werk, das jährlich 70.000 Tonnen Aluminiumoxid und 25.000 Tonnen Aluminium produzierte. Bis 1940 war die UdSSR bereits der drittgrößte Aluminiumproduzent der Welt, hinter den Vereinigten Staaten und Deutschland, welches durch die Ausbeutung der Ressourcen der besetzten Länder das Sechsfache der Sowjetunion produzierte, und gemäß einem Handelsabkommen von 1939 auch Duraluminium an die Sowjetunion lieferte.
Während des Zweiten Weltkrieges von 1941 bis 1945 wurden die meisten Industriebetriebe jenseits des Urals evakuiert, auf Basis ihrer Anlagen wurden neue Werke errichtet. Die Aluminiumhütte Nowokusnezk nahm 1943 ihren Betrieb auf, gefolgt von der Aluminiumhütte Bogoslowsk im Jahr 1945. Nach dem Weltkrieg wuchs mit dem Ausbau der staatlichen Verteidigungskapazitäten, auch die Zahl der Werke, die strategische Metalle und Aluminiumfertigprodukte lieferten. Gleichzeitig entstanden Aluminiumoxid-Werke in Pikalewo und Pawlodar sowie das Kombinat in Atschinsk. Ab den 1950er-Jahren erlebte die sowjetische Aluminiumindustrie einen regelrechten Boom. In den 1960er-Jahren wurden Hütten in Irkutsk, Krasnojarsk und Bratsk in der Nähe großer Wasserkraftwerke errichtet. 1985 nahm die Aluminiumhütte Sajanogorsk ihren Betrieb auf. Die Weltraumforschung versetzte der Entwicklung der Industrie einen starken Impuls.
Die Primäraluminiumproduktion der UdSSR wies 1970 ihren geringsten Wert aus (1,1 Mio. Tonnen, 11,4% der Weltproduktion), erreichte jedoch 1987 mit 3,6 Mio. Tonnen (20,3%) ihren Höhepunkt. Die Sowjetunion avancierte zum weltweit größten Produzenten und überholte die USA. Der Niedergang begann 1991 mit dem Zerfall der UdSSR (3,2 Mio. Tonnen, 16,5%, weltweit zweitgrößter Produzent zwischen den USA und Kanada).
Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 lagen die Aluminiumoxid-Werke in der Ukraine, Kasachstan und Aserbaidschan plötzlich im Ausland. Russische Unternehmen deckten ihren Rohstoffbedarf nur zu 40% selbst und importierten den Rest aus Guinea, Indien und anderen Regionen.
Die politische Instabilität Anfang der 1990er-Jahre, Unterbrechungen der Produktionsketten, Hyperinflation und die Streichung von Haushaltsmitteln, der Verlust von Betriebskapital in den Fabriken, monatelange Lohnverzögerungen und Massenentlassungen setzten der Industrie schwer zu. Zudem verringerte die Rüstungs- und Raumfahrtindustrie die Nachfrage nach Aluminium, wodurch die Inlandspreise sanken. Die Exporte hingegen stiegen. Bis 1994 war der Pro-Kopf-Verbrauch von Aluminium in der Russischen Föderation im Vergleich zu 1985 um das 8,5-Fache gesunken.
In der Branche kam es zu einer Aufteilung der Einflusssphären. Die sogenannte „Aluminiumkriege“ forderten zahlreiche Menschenleben. Die groß angelegte Privatisierung von Betrieben und die damit einhergehenden Eigentümerwechsel gingen einher mit hoher Kriminalität, einem Kampf um Exportströme und die Kontrolle über die riesigen sibirischen Hütten in Sajanogorsk, Bratsk und Krasnojarsk.
Im Jahr 1994 wurde der 26-jährige Oleg Deripaska Geschäftsführer der Aluminiumhütte Sajanogorsk (SAS). Innerhalb von drei Jahren machte er SAS zu einem Branchenführer und verdoppelte die Produktion. Diese Hütte bildete die Grundlage für das Unternehmen „Sibirskij Aluminij“ (Sibal), in das Russlands größter Folienhersteller „Sajanskaja Folga“ und das Dmitrowskij-Erprobungswerk für Aluminium-Konservenband integriert wurden. Ein Jahr später schloss sich das Hüttenwerk Samara, Europas größter Hersteller von Walzaluminium, Sibal an.
Im Jahr 1999 erwarb „Sibirskij Aluminij“ eine Beteiligung am Aluminiumoxid-Werk Nikolajew in der Ukraine und wurde damit zur ersten vertikal integrierten Unternehmensgruppe in Russland mit einem vollständigen Produktionszyklus: vom Rohstoff bis hin zu Produkten mit hoher Wertschöpfung.
Der Konzern Rusal entstand im Jahr 2000 aus den Assets von „Sibirskij Aluminij“ und Sibneft. Das Unternehmen übernahm die größten Betriebe Russlands und der Ukraine und begann eine aktive Expansion im Ausland. Rusal deckte damals 75% der russischen Aluminiumproduktion und zählte neben Alcoa und Alcan zu den drei weltweit führenden Aluminiumherstellern.
Der zweitgrößte Akteur auf dem Markt war die Sibirien-Ural-Aluminiumgesellschaft (SUAL), deren Hauptaktionäre der Chef von Renova Wiktor Wekselberg und Leonard Blawatnik waren. Bis 2007 kontrollierte SUAL 20% der russischen Aluminiumproduktionskapazität. Im März 2007 wurden die Kapazitäten von Rusal und SUAL mit den Aluminiumoxid-Assets des Schweizer Unternehmens Glencore fusioniert. Es entstand das „Vereinigte Unternehmen „Rossijskij Aluminij“ (OK „Rusal“), das mehr als 25% an Norilsk Nickel von der Onexim-Gruppe erwarb, wodurch das Portfolio weiter diversifiziert wurde.
Strategische Wende
Mehr als zwei Jahrzehnte dominierte China die globale Aluminiumproduktion mit einem Anteil von 61% am Gesamtvolumen. Aufgrund geopolitischer Spannungen und struktureller Beschränkungen gewinnen alternative Produktionsstandorte jedoch zunehmend an Bedeutung. Der globale Rohstoffmarkt befindet sich in einem grundlegenden Umbruch der traditionellen Lieferketten und der industriellen Kapazitäten.

Im Jahr 2025 erreichte die weltweite Primäraluminiumproduktion 73,8 Mio. Tonnen. Die von den chinesischen Behörden festgelegte Umweltgrenze von 45 Mio. Tonnen hat die Angebotsknappheit verschärft. Die Reservekapazitäten gewährleisten keine Marktflexibilität mehr, alle großen Produzenten arbeiten an ihrer Kapazitätsgrenze.
Nach einer Prognose von Analysten der Bank „VTB Moi Investizij“ wird die weltweite Aluminiumnachfrage bis 2026 um 2% bis 2,5% auf 78 Mio. Tonnen steigen. Die US-amerikanischen Investmentbanken Citi und JP Morgan gehen davon aus, dass der Aluminiumpreis bei einer anhaltenden Krise im Nahen Osten auf 4000 US-Dollar pro Tonne steigen und das Aluminiumdefizit bis 2026 insgesamt 100.000 bis 600.000 Tonnen betragen könnte.
Die Entwicklung alternativer Aluminiumproduktionszentren hängt auch von Umweltauflagen ab, welche die Nutzung von Kohle einschränken sowie von Handelshemmnissen und Ressourcennationalismus in einigen Ländern. Die Zukunft liegt in Regionen mit Zugang zu erneuerbaren Energien, integrierten Lieferketten und günstigen gesetzlichen Rahmenbedingungen.
Die Herstellung von Aluminium, des 13. Elements im Periodensystem und häufigsten Metalls in der Erdkruste, ist äußerst energieintensiv. Das Hall-Heroult-Elektrolyseverfahren benötigt beispielsweise etwa 12.000 bis 15.000 Kilowattstunden pro Tonne Aluminium, Die Stromkosten entscheiden deshalb nicht an letzter Stelle über den Erfolg der Produktion. Eine Differenz von nur 1 bis 2 Cent pro Kilowattstunde führt zu einem Wettbewerbsvorteil von 120 bis 240 US-Dollar pro Tonne, wodurch ein Projekt rentabel wird.
Die Herstellung von Aluminium mit geringem Kohlendioxidausstoß hat sich von einem Nischenmarkt zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil entwickelt. Unternehmen mit Zugang zu erneuerbaren Energien können ihre Produkte im Premiumsegment positionieren und regulatorische Hürden für emissionsintensive Wettbewerber errichten.
Kapazitätsauslastung und wichtigste Aluminium-Hubs
Der globale Aluminiumsektor funktioniert gegenwärtig unter beispiellosen Kapazitätsengpässen, weshalb die großen Produzenten nahezu Vollauslastung erreichen. Es gibt keine Reservekapazitäten mehr, um auf Nachfrageschwankungen oder Lieferengpässe zu reagieren. Allein die Schließung des Verarbeitungswerks Mozal in Mosambik im März 2026 reduzierte die Produktion um 580.000 Tonnen pro Jahr und erhöhte den Druck auf den Welthandel.
Das gesamte Aluminiumangebot im Jahr 2025 betrug 116 Mio. Tonnen, davon 73,8 Mio. Tonnen Primäraluminium (63,6%) und 42,2 Mio. Tonnen Sekundäraluminium (verarbeitetes Aluminium) (36,4%). Der steigende Anteil von Sekundäraluminium ist sowohl auf wirtschaftliche Anreize als auch auf Umweltauflagen zurückzuführen, die Investitionen in das Recycling von Altmetall fördern.
Russland ist neben Indien, Quebec, Kanada und dem Nahen Osten eines der vier vielversprechendsten Aluminiumzentren. Der indische Bundesstaat Odisha profitiert von außergewöhnlichen Kohle- und Bauxitvorkommen, einer gut ausgebauten Hafeninfrastruktur und strategischer Planung. Der Nahe Osten zeichnet sich durch reichhaltige Erdgasreserven und eine günstige geografische Lage aus. Der Konflikt zwischen dem Iran und den USA hat die Entwicklung der Region jedoch deutlich ausgebremst. Quebec ist Nordamerikas führender Aluminiumproduzent und verfügt über umfassende Wasserkraftressourcen sowie eine entwickelte Branche für erneuerbare Energien.
Russland, das über ein Netz leistungsstarker Wasserkraftwerke verfügt, produziert jährlich 3,9 Mio. Tonnen Aluminium, wobei über 90% des Energiebedarfs durch Wasserkraft gedeckt werden. Dies ist einer der niedrigsten CO₂-Intensitätswerte weltweit. Rusal hat die technische Machbarkeit des großflächigen Einsatzes erneuerbarer Energien unter Beweis gestellt. Die westlichen Sanktionen und die Verbote der Londoner Metallbörse haben jedoch den Zugang zu den traditionellen Märkten blockiert, sodass die russische Produktion nun hauptsächlich nach Asien exportiert wird.
Nahostkrise als Defizitfaktor
Laut dem Internationalen Aluminiuminstitut (IAI) produzierten die Golfstaaten (die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Saudi-Arabien, Katar und Oman) im Jahr 2025 rund 6,1 Mio. Tonnen des Metalls, was etwa 8,3% der weltweiten Produktion (73,8 Mio. Tonnen) entspricht. Bauxit aus Australien, Guinea und Brasilien wurde auf dem Seeweg dorthin transportiert und zu Aluminiumoxid verarbeitet, das anschließend zu Primäraluminium eingeschmolzen wurde. Die Blockade behindert nun sowohl den Export von fertigem Aluminium als auch den Import von Aluminiumoxid.

Nach einer Analyse der US-amerikanischen Bank JP Morgan beliefen sich die Exporte aus der Region 2025 auf bis zu 5 Mio. Tonnen Primäraluminium, fast 7% der Weltproduktion. Die Ratingagentur S&P gab an, dass die Lieferungen aus den Golfstaaten im Jahr 2025 etwa 21% der gesamten US-amerikanischen Aluminiumimporte, 19% der EU-Importe (davon bis zu 10% aus Deutschland) und 25% der japanischen Importe ausmachten. Aluminium aus der Region wurde auch nach Mexiko, Südkorea, Indien, Thailand, in die Türkei, nach Großbritannien und Taiwan exportiert.
Seit Beginn des Irankrieges und der Blockade der Straße von Hormus überstieg der Preis für einen Dreimonats-Kontrakt für Primäraluminium an der Londoner Metallbörse (LME) im Juni 3700 US-Dollar pro Tonne und erreichte damit den höchsten Stand seit 2022. Die Firmen Qatalum in Katar und Alba in Bahrain haben ihren Output deutlich reduziert. Sollte sie vollständig eingestellt werden, wird es sechs bis zwölf Monate dauern, bis wieder produziert werden kann.
Da die Energiekosten 30% bis 40% der Produktionskosten für Aluminium ausmachen und die Öl- und Strompreise steigen, ist die Produktion in europäischen Aluminiumhütten schon seit Langem nicht mehr rentabel. EU-Unternehmen, die rund 50% ihres Primäraluminiums importieren, begegnen diesem Problem teilweise durch das Recycling von Aluminiumschrott, der laut der deutschen Wirtschaftszeitung Handelsblatt 47% des Bedarfs der Branche deckt. Angesichts der Ereignisse im Nahen Osten wird jedoch auch diese Ressource knapp.
Nicht nur Produktionsbeschränkungen, sondern auch Zwischenfälle in großen Hüttenwerken (Century Aluminum, Mozal) sowie steigende Preise für Kupfer, das zunehmend durch Aluminium ersetzt wird, führen zu einer anhaltenden Verknappung am Markt.
Quellen: Rusal, Finam, Forbes, Handelsblatt, Kommersant 1, 2, RBC 1, 2, Rusneb.ru, Statbase, Monocle, Russisches Umweltministerium (alle RU), Orsted Energiewinde, Handelsblatt, Aluminiumverband, Discoveryalert, International Aluminium Institute , JP Morgan, LME, USGS (alle EN)
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