Der erfahrene Diplomat Dr. Clemens von Goetze, derzeit deutscher Botschafter in Mexiko, soll laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ im Sommer Alexander Graf Lambsdorff ablösen den aktuellen Botschafter in Moskau. Der designierte Leiter der Auslandsvertretung in Moskau verfügt über eine breite außen- und sicherheitspolitische Erfahrung und war zuvor bereits als Botschafter in Tel Aviv, Peking und Tokio im Einsatz. Von Goetze ist verheiratet und hat zwei Kinder. Der 63-Jährige spricht fünf Sprachen: Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Türkisch. Im Zuge des jährlichen Personalkarussells der Auslandsvertretungen soll Alexander Graf Lambsdorff, der den Posten in Moskau seit August 2023 innehat, nach Tel Aviv wechseln.
Russische Medienkommentare: Diskret und analytisch
Zahlreiche russische Medien, darunter die Wirtschaftszeitungen Vedomosti, RBC sowie die Nachrichtenagenturen TASS und RIA Novosti, griffen den gestrigen Spiegel-Bericht umgehend auf. Die deutsche Botschaft in Moskau teilte auf Anfrage von RBC mit, dass sie die Personalentscheidung nach üblichem diplomatischem Protokoll nicht kommentieren werde. Zuerst müsse die Einwilligung bezüglich der neuen Kandidatur durch die Regierung des Gastlandes erfolgen, hieß es zur Begründung.
Die russische Wirtschaftszeitung Kommersant kommentierte die Neubesetzung in einem Artikel mit dem Titel „Botschafts-Rochade“. Von Goetze sei einer der erfahrensten deutschen Diplomaten mit einer bemerkenswerten Laufbahn, schreibt der Kommersant. Dem Blatt zufolge steht der designierte, neue Botschafter für diskrete Diplomatie und gilt als „hervorragender Jurist mit analytischem Profil“. Weiter heißt es: „Er ist zwar kein Spezialist für Russland, verfügt aber über beachtliche Erfahrung darin, Beziehungen in Krisensituationen aufzubauen. Genau vor dieser Aufgabe steht er in Moskau.“
Ferner schreibt das Wirtschaftsblatt: „Angesichts der schwierigen Verhandlungen zur Beilegung des Ukraine-Konflikts unter der Ägide der USA einerseits und der von Washingtons Position abweichenden Haltung Deutschlands als Schlüsselverbündeten Kiews andererseits benötigt Berlin einen Diplomaten, der imstande ist, eine äußerst abgewogene Kommunikation zu führen, während die bilateralen Beziehungen in einer tiefen Krise stecken.“ Die Entsendung von Goetzes nach Moskau zeuge von einem Übergang der Bundesrepublik von einer öffentlichen Konfrontation zu einem stillen diplomatischen Austausch, resümiert der Kommersant.
Doktor der Rechtswissenschaft
Von Goetze wurde 1962 in Berlin als Sohn eines Kaufmanns geboren und wuchs in Gaustadt bei Bamberg in Bayern auf. Sein Abitur schloss der junge von Goetze aber im Hofgeismar unweit von Kassel in Hessen ab. Danach kehrte er nach Bayern zurück und studierte ab 1981 Jura und Geschichte an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen und Nürnberg.
1987 schloss er die erste Etappe seines Studiums mit dem Ersten Juristischen Staatsexamen und im Februar 1988 mit der Magisterprüfung in Geschichte ab. Nach dem anschließenden Rechtsreferendariat und dem Zweiten Juristischen Staatsexamen promovierte er zum Doktor der Rechte.
Persönlicher Referent von Außenminister Joschka Fischer
Zwischen 1990 und 1991 bereitete sich von Goetze an der Akademie Auswärtiger Dienst in Berlin auf seine diplomatische Laufbahn vor. Nach dem Abschluss des Diplomaten-Schulungszentrums war er zunächst Referent im Büro der Staatssekretäre des Auswärtigen Amtes. Von 1992 bis 1994 leistete er dann seinen ersten Auslandsdienst als Referent für Politik, Rechts- und Konsularwesen an der Botschaft auf den Philippinen. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland arbeitete er bis 2002 als Referent im Auswärtigen Amt. Besonders hervorzuheben ist seine Zeit als Persönlicher Referent von Außenminister Klaus Kinkel (FDP) und dessen Nachfolger Joschka Fischer (Grüne) zwischen 1997 bis 2002.
Station im Bundespräsidialamt
Von 2002 bis 2003 war von Goetze Gesandter und Ständiger Vertreter des Botschafters in der Türkei und dort zugleich auch Leiter der Politischen Abteilung. Zurück in Berlin wurde von Goetze wieder in der Zentrale des Auswärtigen Amtes eingesetzt, wo er als Stellvertretender Leiter des Leitungsstabes für die Bereiche Ministerbüro, Parlament, Bundeskabinett und Presse zuständig war. Daraufhin war er zwischen 2006 und 2009 Ständiger Vertreter im Rang eines Botschafters bei der Europäischen Union in Brüssel sowie zugleich Ständiger Vertreter im Politischen und Sicherheitspolitischen Komitee der Europäischen Union.
Von Goetze sammelte auch Erfahrungen im Bundespräsidialamt. Dort leitete er zwischen 2006 und 2009 in der Zeit des Bundespräsidenten Horst Köhler die Auslandsabteilung für Außen-, Sicherheits-, Europa- und Entwicklungspolitik.
Prestigeträchtige Botschafterposten
2012 kehrte von Goetze wieder ins Auswärtige Amt zurück, um die Leitung der Abteilung 3 für die Weltregionen Asien, Nah- und Mittelost, Afrika, Lateinamerika zu übernehmen. In dieser Zeit schärfte der Diplomat seine Expertise für diese Regionen, was ihn für seine anschließende Entsendung in den Nahen Osten und später auch nach Asien prädestinierte. Es folgten drei Stationen als Botschafter: Tel Aviv (2015–2018), Peking (2018–2021) und Tokio (2021–2024).
Seine Expertise habe er sich aber nicht nur hinter dem Schreibtisch angeeignet, schrieb die Rheinische Post in einem Artikel von 2015. Beispielweise war er bei den Verhandlungen mit den Iranern involviert. Nachdem Hassan Rohani die Präsidentenwahl gewonnen hatte, besuchte er 2013 das Land. 2015 begleitete er den damaligen Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) auf seiner Reise nach Gaza.
Designiert, aber noch nicht bestätigt
Bei der Besetzung von Botschafter- und Botschafterinnenposten handelt es sich um ein mehrstufiges Verfahren: Nach dem Abschluss des Planungsprozesses in der Bundesregierung, der mehrere Monate dauern kann, wird bei der Regierung des Gastlandes ein sogenanntes Agrément ersucht, also die Einwilligung der jeweiligen Regierung.
Wenn dieses erteilt wurde, stellt der Bundespräsident ein Beglaubigungsschreiben aus, das die Diplomaten bei Amtsantritt dem Staatsoberhaupt des Gastlandes überreichen. Um der Entscheidung eines Gastlandes nicht vorzugreifen, bestätigt das Auswärtige Amt Personalien grundsätzlich erst nach Erteilung des Agréments.
Quellen: Deutsche Botschaft, Spiegel, Rheinische Post, OAG, Kommersant, RBC (beide RU)